Sonntag, 7. Mai 2006

Kühbauer als Austria-Motivator: Veilchen blühten nach Provokation erst richtig auf

  • Mattersburg-Kapitän nannte Viola-Kicker "Söldner"
  • Stronach hatte mit Titel "unheimliche Freude"

Nach der Überreichung des Fußball-Meistertellers, dem ausgiebigen Bad im prickelnden Sekt und in der jubelnden Menge eröffnete Frenkie Schinkels am Samstag im Wiener Horr-Stadion nach dem 2:1-Heimsieg gegen Wacker Tirol die obligatorische Pressekonferenz mit einer ungewöhnlichen Handlung. Er entfaltete eine vom Winter stammenden Seite des Nachrichtenmagazins News, auf der quasi das Rezept stand, wie die Veilchen zum 23. Liga-Titel "aufblühten". Didi Kühbauer war sozusagen der Autor, Antriebsmotor und Motivator.

Eine unter den Kapitänen der zehn T-Mobilie-Bundesligisten vor der Frühjahrssaison durchgeführten Umfrage nach dem Meister 2006, für die als Überschrift "Rote Bullen haben den längsten Atem" gewählt worden war, wurde der Burgenländer mit den Worten zitiert: "Die Salzburger haben mehr Herz als die Söldner der Austria." Diesen Artikel hatte Schinkels nicht nur ausgeschnitten und aufgehoben, sondern vor dem ersten Match-Ball, der Tirol-Partie, nochmals im Kabinengang plakatiert. Auf dem Weg auf den Rasen wurde dieser Spruch jedem Spieler nochmals deutlich in Erinnerung gerufen..

"Dieser Satz hat uns getroffen"
"Dieser Satz hat uns schon im Winter alle sehr getroffen. So was soll man nicht sagen, es muss mehr Fairness herrschen, miteinander mehr mit Respekt umgegangen werden. Wir haben vor Didi große Achtung,", meinte der Austria-Trainer, nach dessen Worten nur der damalige eigene Spielführer Ernst Dospel und der "Bulle" Markus Schopp den Violetten den Titel zugetraut hatten. Schinkels verhehlte nicht, dass es eine besondere Genugtuung sei, ganz oben zu stehen und von Mattersburg-Obmann Martin Pucher den Meisterteller erhalten zu haben.

Chance auf zehntes Double
Am Dienstag im Cup-Endspiel gegen SV Mattersburg im Wiener Happel-Stadion könne seine Elf auch auf dem Rasen Kühbauer direkt antworten - mit dem 25. Cup-Coup und dem gleichzeitigen zehnten Double der Klubgeschichte. In der Stunde der fast grenzenlosen Freude über den Meistertitel dachte die violette Gemeinde aber auch an einen Mann, der an diesem regnerischen Abend gar nicht im mit 11.500 Zuschauern ausverkaufen Stadion weilte - Frank Stronach.

Auch Stronach freute sich
"Er hatte eine unheimliche Freude und gesagt, dass wir es genießen sollen", erzählte Schinkels vom ersten Telefonat während der ersten Feierlichkeiten mit dem Mäzen, der den Vertrag zwischen seinem Magna-Konzern und dem Verein nach der nächsten Saison auslaufen lässt. "Frank hat uns stets das Vertrauen gegeben, jetzt wir haben ihm mit dem Titel etwas davon zurückgeben können", so Schinkels.

"Und vielleicht können wir ihm noch eine Freude bereiten, wenn er in der Champions League neben dem Präsidenten des FC Barcelona sitzt", meinte der Trainer mit einem Blick auf die unmittelbare Zukunft und einem Schmunzeln. Der gebürtige Niederländer gestand aber im Ernst auch ein, einige Tränen vergossen zu haben. Nämlich als seine Kinder, die in den vergangenen Monaten nicht viel von ihrem Vater gehabt hätten, zu ihm kamen und sagten: "Wir sind stolz auf Dich!"

(apa/red)

7.5.2006 10:43