Italiener beim Giro d'Italia Favoriten auf Gesamtsieg: Basso & Cunego heißeste Tipps
- Seit 1996 kein nicht-italienischer Giro-Sieger
- Bei Radklassiker kein Österreicher am Start
Die Lokalmatadore haben in den vergangenen Jahren das Geschehen beim Giro d'Italia bestimmt. Ein ähnliches Bild ist auch bei der 89. Auflage des zweitgrößten Radrennens der Welt, die heute in Seraing bei Lüttich in Belgien beginnt, zu erwarten. Als aussichtsreiche Kandidaten auf den Gesamtsieg gelten in Vorjahressieger Paolo Savoldelli, dem Tour-Zweiten Ivan Basso, ProTour-Gesamtsieger Danilo di Luca sowie den ehemaligen Triumphatoren Gilberto Simoni und Damiano Cunego fünf Italiener.
In italienischen Medien wird die Rundfahrt auf ein Duell zwischen Jungstar Cunego und Basso reduziert. Beide gingen im Vorjahr als die großen Verlierer der Italien-Rundfahrt in deren Geschichte ein. Während Basso von einer Magenverstimmung geschwächt auf dem Stilfserjoch seine Chance verspielte, litt Cunego an Pfeiffer'schem Drüsenfieber. Die langwierige Erkrankung war erst verspätet diagnostiziert worden und hatte in weiterer Folge einen Tour-Start des Giro-Siegers von 2004 verhindert.
Basso gilt zwar neben dem leicht schwächelnden Deutschen Jan Ullrich als Favorit auf die Nachfolge von Lance Armstrong als Sieger der Tour de France, auf einen Sieg bei der Rundfahrt im eigenen Land wartet der 28-Jährige aus Varese allerdings noch. "Meine Form ist gut, ich kann es heuer schaffen", meinte der unumschränkte Kapitän des dänischen Teams CSC, bei dem Peter Luttenberger im Unterschied zur vergangenen Saison nicht zum Zug kommt.
Damit nimmt heute kein einziger Österreicher den 6,2 Kilometer langen Prolog in Seraing bei Lüttich auf. Die ersten vier Etappen werden als Hommage an die zahlreichen, im französischsprachigen Teil Belgiens lebenden Exil-Italiener in Wallonien ausgetragen. Das 18. Teilstück wird in Sillian in Osttirol gestartet. Die Entscheidung dürfte erst danach mit einer Bergankunft auf dem Passo San Pellegrino (19. Etappe), der Überfahrt des 2.618 Meter hohen Gavia-Passes (20. Etappe) und einem Bergzeitfahren als erstem Teil der Schlussetappe fallen.
"Wir befinden uns alle auf einem ähnlich hohen Niveau. Das wird ein sehr, sehr offenes Rennen", prognostizierte Cunego, der 2004 nach einem kometenhaften Aufstieg mit nur 22 Jahren und damit als jüngster Fahrer seit 1979 triumphiert hatte. Sein ehemaliger Lampre-Teamkollege Simoni erhält mit 35 Jahren wohl die letzte Chance, den Siegen von 2001 und 2003 einen dritten Triumph folgen zu lassen. Auch für Savoldelli wäre es der dritte Erfolg nach 2002 und 2005.
Basso wagt sich auf Anraten seines Teamchefs Bjarne Riis erneut an das Double Giro/Tour heran - ebenso wie der Deutsche Jan Ullrich. Der T-Mobile-Star benutzt die Italien-Rundfahrt nur zur Vorbereitung, gestand nach überstandener Knieverletzung neuerlich einen "problematischen Trainingsrückstand" ein. "Für die Tour sollte das kein Problem sein, wohl aber für den Giro", meinte Ullrich. Dass also ausgerechnet zehn Jahre nach dem Russen Pawel Tonkow (1996) erstmals wieder ein Nicht-Italiener in Mailand den Gesamtsieg bejubelt, scheint äußerst unwahrscheinlich.
(apa)
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