D'Alema oder Amato? Heftiger Streit um
Amt des italienischen Präsidenten entbrannt
- Internes Duell in Prodis Mitte-Links-Allianz
- Berlusconi setzt auf seinen Vertrauensmann Letta
1. Gespräch zwischen Prodi und Berlusconi in Rom
·Ciampi verzichtet auf eine zweite Amtszeit
Appelle von Prodi und Berlusconi nutzten nichts
·Berlusconi reichte seinen Rücktritt ein
Weg für Bildung einer Mitte-Links-Regierung frei
·Berlusconis langer Kampf gegen die Justiz
KLICKEN: Viele Prozesse und keine Schuldsprüche
·Berlusconi: Siegertyp wurde immer nervöser
Mit aggressiver Rhetorik den Bogen überspannt?
In der italienischen Mitte-Links-Allianz droht ein heftiger Streit um den Posten des Staatspräsidenten. Die Linksdemokraten um Wahlsieger Prodi drängen auf die Kandidatur ihres Präsidenten D'Alema. Dieser hatte bereits auf den Posten des Präsidenten der Abgeordnetenkammer zu Gunsten des Kommunistenchefs Bertinotti verzichten müssen.
"Wir haben Recht auf einen hochrangigen Posten in den Institutionen", betonte der Vorsitzende der Linksdemokraten, Piero Fassino. Die gemäßigten Parteien in Prodis Bündnis drängen auf die Kandidatur des ehemaligen Regierungschefs Amato. Er gilt als Persönlichkeit mit europäischem Charisma. Als ehemaliger Vizevorsitzender des Europäischen Verfassungskonvents hat er auf entscheidende Weise zur Ausarbeitung der EU-Charta beigetragen.
Die Mitte-Rechts-Allianz um Ex-Regierungschef Berlusconi beharrt auf der Kandidatur des ehemaligen Staatssekretärs Letta. Seit Berlusconis Einstieg in die Politik ist Letta der einflussreichste Berater des Premierministers. In Oppositionskreisen entgegnet man, dass Letta nicht parteiunabhängig sei und daher als ausgewogener Staatschef ungeeignet wäre.
Der Kampf um den Posten des Staatschefs ist vehement ausgebrochen, nachdem der scheidende Präsident Ciampi am Mittwoch klar machte, dass er auf ein zweites Mandat verzichte.
Die beiden Kammern des neu gewählten Parlaments treten am kommenden Montag zusammen, um das neue Staatsoberhaupt zu wählen. Sollten sich die rivalisierenden Blöcke nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, könnte sich die Wahl über mehrere Tage hinziehen. Damit würde auch die Bildung einer neuen Regierung verzögert, denn Prodi braucht dafür den Auftrag des Präsidenten.
Gesrpäche zwischen Prodi und Berlusconi
Nach dem Verzicht des italienischen Präsidenten Carlo Azeglio Ciampi auf eine weitere Amtszeit hat Prodi seinen Vorgänger Silvio Berlusconi zu einem Gespräch über die Wahl eines neuen Staatschefs getroffen. "Es war ein erstes, langes und herzliches Gespräch", sagte Prodi nach dem mehr als einstündigen Treffen in Rom.
An dem Treffen, dem ersten offiziellen Gespräch zwischen den beiden Politikern nach den Parlamentswahlen im April, beteiligte sich auch Prodis Sprecher Ricardo Levi und Berlusconis Ex-Staatssekretär Gianni Letta.
Prodi berichtete, er plane noch diese Woche ein weiteres Treffen mit Berlusconi. Beobachtern zufolge suchen die beiden Politiker einen Kandidaten, der politische Spannungen überbrücken könnte.
(apa/red)
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