Samstag, 6. Mai 2006

Neue US-Klage gegen die BAWAG: Refco-Aktionäre wollen der Bank an die Geldbörse

  • BAWAG soll für Refco-Debakel vollverantwortlich sein
  • US-Forderungen bis zu einer Milliarde Dollar möglich!

Die BAWAG ist mit einer neuen Klage aus den USA konfrontiert. Geschädigte Refco-Aktionäre haben an einem New Yorker Bezirksgericht eine schon laufende Klage gegen jene Investmentbanken, die Refco an die Börse gebracht haben, auf die österreichische Bank erweitert, bestätigte BAWAG-Sprecher Thomas Heimhofer. Die bisher schon bkeannte Klage war von Refco-Gläubigern eingebracht worden.

Laut "Bloomberg" argumentieren die Kläger derart, dass die BAWAG insoferne für das Refco-Debakel zur Verantwortung zu ziehen ist, als sie die Kontrolle über Ex-Refco-Chef Phillip Bennett hatte, der wiederum die Kontrolle über Refco hatte. Daher habe die Bank die Möglichkeit zur Kontrolle und Einflussnahme gehabt, meinen die Aktionäre.

Von Seiten der BAWAG war man um Beruhigung bemüht. Bank-Sprecher Heimhofer betonte, dass man unverändert bemüht sei, einen Globalvergleich mit allen Klägern abzuschließen. Die Gespräche für einen entsprechenden Abschluss seien weiter im Gang.

"BAWAG vielleicht vollverantwortlich"
Der Lead-Anwalt in der Sammelklage gegen die insolvente Maklerfirma Refco Inc, John Coffey, sagte am Freitag, es sei nicht auszuschließen, dass die BAWAG für die Gesamtsumme der den Klägern entstandenen Verluste in die Pflicht genommen werde.

Es sei verfrüht, die Summe zu benennen, doch nach seiner Schätzung geht es um "zwischen mehreren hundert Millionen Dollar bis zu einer Milliarde Dollar." Coffey befindet sich zur Zeit geschäftlich auf den Bahamas.

Zuvor hatte Coffeys Kanzlei Bernstein Litowitz Berger & Grossmann an einem New Yorker Bezirksgericht die Sammelklage auf die österreichische Gewerkschaftsbank erweitert. Die BAWAG hätte Wertpapierbetrug begangen, weil sie über ihre Beteiligung Refco-Chef Philip Bennett und damit Refco kontrolliert hatte.

BAWAGs Versuch, einen Globalvergleich zu schließen, der auch die Sammelklage einschließen soll, bezeichnete Coffeey als "merkwürdig". Seine Klienten seien bei den Vergleichsbemühungen mit den Refco-Gläubigern Zaungäste gewesen, sagte er. "Sie weigerten sich, mir Einzelheiten der Vergleichverhandlungen mitzuteilen, sodass wir keine andere Wahl hatten, als mit unserer Klage fortzufahren", so Coffey weiter.

Die BAWAG werde nun vesuchen, die Klage gegen BAWAG vom Richter abweisen zu lassen, sagte Coffey. Er sei jedoch zuversichtlich, dass die in der Beschwerde enthaltenen faktischen Behauptungen ausreichen, um die Einbeziehung der BAWAG zu bekräftigen".

Auf den Bahamas nimmt Coffey an einer Konferenz teil mit dem Titel: "How to hold Corporate Wrongdoers accountable". Es sei ironisch, dass die Klage gegen BAWAG zeitlich mit dieser Konferenz zusammenfalle.

(apa/red)

6.5.2006 17:02