FORMAT über Bawag-Töchter: Wie das
weite Reich der roten Bank zerfällt
- Nach Bawag-Krise: Zukunft der Beteiligungen unklar
- Beispiel Easybank: Könnte profitabel verkauft werden
·NEWS über Luxus-Bunker der Bosse
Nobel-Penthäuser gab's zum Schnäppchenpreis
·Chronologie des BAWAG-Skandals!
Nachlesen: Von Gründung
im Jahr 1922 bis heute
Mit dem Beschluss, die Bawag PSK zu verkaufen, wurde gleichzeitig auch die Veräußerung der unter dem Dach der Bank befindlichen Beteiligungen festgeschrieben. Das Schicksal dieser Töchter hängt in wesentlichem Maße vom Käufer ab. Zum Teil handelt es sich dabei um Unternehmen, die im Alleinbesitz der Bawag stehen und selbst im Bankgeschäft tätig sind: Dazu zählen etwa die Direktbank easybank, die Verkehrskreditbank sowie die Sparda Bank. Die easybank hat trotz starker Marke bei einer Übernahme durch einen Inländer kaum eine Chance auf die bisherige Eigenständigkeit, da die Konkurrenten selbst über Direktbanken verfügen. Die gut eingeführte Marke könnte dennoch zumindest eine Zeit lang überleben, da sich für den Käufer eventuell eine ZweiMarken-Strategie lohnen könnte. Auch ein separater Verkauf wäre denkbar.
Im Nahebereich des Finanzgeschäfts hält die Bawag auch einige kleinere Beteiligungen: Wüstenrot (7,4 Prozent), Kontrollbank (5,1 Prozent), Europay (11,2 Prozent) und Wiener Börse (3,3 Prozent). Europay würde als Partner im Zahlungsverkehr wohl von jedem Käufer gehalten werden, vermutlich auch Wüstenrot als Partner bei Bausparverträgen. Bei den anderen Anteilen wird ein ausländischer Übernehmer mit großer Wahrscheinlichkeit verkaufen, während ein heimisches Konsortium die Börsen-und Kontrollbankanteile halten wird.
Die nicht zum Kerngeschäft der Bank zählenden Töchter stehen auf jeden Fall zur Disposition. Zum Teil wurde deren Verkauf bereits eingeleitet, aber im Zuge der aktuellen Affäre wieder gestoppt. Das gilt etwa für Stiefelkönig (100 Prozent), wo beispielsweise Salamander bereits offen als Bieter aufgetreten ist. Hier dürfte es durch den Verkauf nur zu einer Verzögerung kommen.
Anders ist die Sache bei Köck-Cosmos (100 Prozent). Die bisherigen Favoriten Josef Taus und Harald Grossnig sind beide bei der Bawag gut vernetzt. Ob sie bei einem anderen Eigentümer ebenso gute Chancen haben, zum Zug zu kommen, ist unsicher. Zahlreiche Käufer fänden sich weiterhin für den defizitären Klavierbauer Bösendorfer (100 Prozent). Die Anteile an ATV+ (42 Prozent) beziehungsweise den Österreichischen Lotterien (34 Prozent) könnten für inländische Konsortien interessant sein - die Lotterien wegen der Dividenden, ATV+ aus eher kommunikationspolitischen Gründen. Ausländische Bieter wären an diesen für das Kerngeschäft einer Bank merkwürdigen Schrebergärten wohl kaum interessiert.
Die Auslandstöchter Istrabank (Slowakei; 100 Prozent) und Bawag Bank CZ (100 Prozent; Tschechien) werden je nach Käufer als Nukleus einer Ostexpansion genutzt werden oder in bereits bestehende Strukturen übernommen. Das Gleiche gilt für in die Bank integrierte, aber als eigene Gesellschaften organisierte Abteilungen wie die Fondsgesellschaft Bawag-PSK-Invest oder das Versicherungsgeschäft.
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