Mittwoch, 3. Mai 2006

Bawag-Skandal für Verzetnitsch noch nicht ausgestanden: Fordert ÖGB Schadenersatz?

  • "Untreue im Amt" als möglicher Entlassungs-Grund
    ÖGB-Betriebsrat will Entlassung nicht zustimmen
  • Verzetnitsch verliert mit Rauswurf Pensionsanspruch

Nach der Entlassung von Fritz Verzetnitsch scheint das Thema ÖGB für den ehemaligen Gewerkschaftspräsidenten noch nicht erledigt zu sein. Der ÖGB könnte Verzetnitsch nun auf Schadenersatz klagen. Laut einem Medienbericht hat der Vorstand das Präsidium des Gewerkschaftsbundes beauftragt, eine Schadensersatzklage gegen den Ex-Chef vorzubereiten. Der ÖGB bestätigte nur, dass alle Möglichkeiten geprüft würden.

Als Grund für die Entlassung wurde von Christgewerkschafter-Chef Klein "Untreue im Amt" angegeben, so die "Tiroler Tageszeitung". Verzetnitsch und Weninger hatten im Alleingang eine Haftung des ÖGB für die wegen der Karibikverluste gebeutelte BAWAG unterzeichnet, was sie heuer letztlich ihre Ämter kostete.

ÖGB-Betriebsrat will Entlassung nicht zustimmen
Der Betriebsrat im ÖGB wird der Entlassung nicht zustimmen. Denn sonst hätte dieser nicht mehr die Gelegenheit, seine Ansprüche vor dem Arbeitsgericht geltend zu machen, erklärte Herbert Beinhauer, zuständiger Betriebsrat für die ÖGB-Zentrale, dem "Standard" (Donnerstag-Ausgabe). In der "Presse" (Donnerstag-Ausgabe) heißt es ergänzend, es werde allerdings auch kein Einspruch erhoben, also zur ganzen Sache geschwiegen.

Jedenfalls steht Verzetnitsch als zahlendes ÖGB-Mitglied der Rechtsbeistand seiner Fachgewerkschaft, der Metaller, zu: "Stellt er ein Ansuchen, wird er wie jeder andere vertreten", heißt es dazu aus der Metaller-Zentrale.

Dinkhauser dreht es bei Entlassung den Magen um
Dem Tiroler Arbeiterkammer-Chef Fritz Dinkhauser (V) "dreht es den Magen um", wenn er die Entlassung von Verzetnitsch betrachtet. Verzetnitsch sei in Zusammenhang mit der BAWAG-Afäre zwar zur Verantwortung zu ziehen, aber vor Gericht und nicht von den Gewerkschaften, meinte er in der "Zeit im Bild 2".

Zurückhaltend äußerte sich Dinkhauser zu Vorwürfen gegenüber Bundesarbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel wegen dessen Rolle als früherer Aufsichtsratspräsident bei der BAWAG. Sollte er Sünden aus der Zeit haben, sei die Verantwortung wahrzunehmen. Der Rücktrittsaufforderung so manchen seiner Parteifreunde schloss sich der Tiroler AK-Chef aber nicht an.

Missfallen bei Dinkhauser löst aus, dass derzeit versucht werde, die Schuld nur einzelnen Personen zuzuschieben. So werde etwa Verzetnitsch der Bevölkerung als "Notopfer" dargeboten. Wenn so vorgegangen werde, müsse "viel Sumpf" da sein. Denn es gebe ja mehrere in der Gewerkschaft, die Verantwortung gehabt hätten.

Hundstorfer nannte keinen Grund für die Entlassung
Verzetnitsch-Nachfolger Hundstorfer nannte keine offizielle Begründung für die Entlassung. Der geschäftsführende Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, Wilhelm Beck, erklärte auf Anfrage der APA, einer der Gründe dürfte der Vertrauensverlust zu Verzetnitsch wegen dessen geheimer Vorgangsweise bei den umstrittenen BAWAG-Geschäften gewesen sein.

Verzetnitsch und Hundstorfer werden sich aller Voraussicht nach vor dem Arbeitsgericht gegenüber stehen. Hundstorfer erklärte, er habe persönlich seinen Vorgänger über die Entlassung verständigt, und dabei habe Verzetnitsch erklärt, er nehme dies zur Kenntnis und man sehe sich vor dem Arbeitsgericht wieder.

Kein Verzetnitsch-Kommentar
Keinen Kommentar gab Verzetnitsch selbst ab. Er sagte lediglich, ein Dienstverhältnis mit dem ÖGB bis 30. April gehabt zu haben, und "das wurde beendet". Auf die Frage, ob er die Entlassung vor dem Arbeitsgericht anfechten werde, meinte der Ex-Präsident: "Das wäre schon ein Kommentar".

FSG-Vorsitzender Beck schloss im APA-Gespräch aus, dass Verzetnitsch nach seiner ÖGB-Entlassung auch als FSG-Mitglied mit Konsequenzen zu rechnen haben werde. "Nein, da müsste schon die Gewerkschaft ein Parteiausschlussverfahren in Gang setzen, davon ist überhaupt nicht die Rede, daran denkt kein Mensch."

Verzetnitsch war bis zuletzt täglich in der Gewerkschaftszentrale. Er hatte ein eigenes Büro, sei sehr früh gekommen und spät gegangen. Auf die Frage, ob dies üblich sei, sagte Hundstorfer, es sei "nicht unüblich. Es gibt in vielen Firmen und anderen Einrichtungen, wo leitende Mitarbeiter ausscheiden, aus welchen Gründen immer, eine gewisse Zeit zum Aufarbeiten", beispielsweise das Sichten von e-mails. Jedenfalls "war das mein geringstes Problem", so Hundstorfer. (apa/red)

3.5.2006 23:00