Arbeitsverhältnis mit Verzetnitsch beendet:
Ex-ÖGB-Chef laut Hundstorfer entlassen!
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Fritz Verzetnitsch, fast zwei Jahrzehnte Präsident des Gewerkschaftsbundes, ist vom ÖGB entlassen worden. Eine offizielle Begründung wurde von seinem Nachfolger Rudolf Hundstorfer nicht genannt. Der geschäftsführende Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, Wilhelm Beck, erklärte auf Anfrage der APA, einer der Gründe dürfte der Vertrauensverlust zu Verzetnitsch wegen dessen geheimer Vorgangsweise bei den umstrittenen BAWAG-Geschäften gewesen sein.
Verzetnitsch und Hundstorfer werden sich aller Voraussicht nach vor dem Arbeitsgericht gegenüber stehen. Hundstorfer erklärte, er habe persönlich seinen Vorgänger über die Entlassung verständigt, und dabei habe Verzetnitsch erklärt, er nehme dies zur Kenntnis und man sehe sich vor dem Arbeitsgericht wieder.
Kein SPÖ-Kommentar
Seitens der SPÖ gab es zum Vorgehen des ÖGB keinen Kommentar. Auch von der ÖVP gab es vorerst keine Stellungnahme. Der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen meinte nur, Hundstorfer werde seine Gründe gehabt haben. BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch will, dass auch die ÖGB-Spitzenfunktionäre des ÖGB einen Solidarbeitrag für die gewerkschaftseigene Bank BAWAG nach der Haftungsübernahme des Bundes leisten sollten. Außerdem tritt er für eine Zusammenlegung von Arbeiterkammer und ÖGB ein. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sieht in Sachen ÖGB und BAWAG einen "schwarz-roten Skandal". Ziel von SPÖ und ÖVP sei es, die Gewerkschaftsbank zum Nullpreis zu verkaufen.
Umfrage: Schüssel Nutznießer des Skandals
In jüngsten Umfragen sind Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und die ÖVP Nutznießer der ÖGB-Krise und des BAWAG-Skandals. Die ÖVP liegt nach der aktuellen Gallup-Umfrage bei 40 Prozent, die SPÖ bei 38, die Grünen bei zwölf, die FPÖ bei acht und das BZÖ bei zwei Prozent. In der Kanzlerfrage konnte allerdings Schüssel weit deutlicher zulegen und liegt bei 47 Prozent, Gusenbauer fällt von 37 auf 31 Prozent Zustimmung zurück.
Keine rechtlichen Schritte gegen Weninger & Tumpel
Keine Schritte wird es laut Hundstorfer gegen den ehemaligen Finanzreferenten des ÖGB, Günter Weninger, geben. Dieser habe nur eine Funktionsentschädigung gehabt, und "wenn die aus ist, ist es aus". Gegen AK-Präsident Herbert Tumpel werde es keine Anzeige geben. Tumpel war ja früher Aufsichtsratsvorsitzender der BAWAG. Hundstorfer sieht bei Tumpel in der BAWAG-Causa "keine formalrechtlichen Probleme". Befragt, wie er das Verhalten von Tumpel moralisch beurteile, wollte sich der ÖGB-Chef nicht äußern. "Ich reduziere mich auf rechtliche Fragen". Im Nachhinein gesehen sei man aber oft gescheiter.
Kein Verzetnitsch-Kommentar
Keinen Kommentar gab Verzetnitsch selbst ab. Er sagte lediglich, ein Dienstverhältnis mit dem ÖGB bis 30. April gehabt zu haben, und "das wurde beendet". Auf die Frage, ob er die Entlassung vor dem Arbeitsgericht anfechten werde, meinte der Ex-Präsident: "Das wäre schon ein Kommentar".
FSG-Vorsitzender Beck schloss im APA-Gespräch aus, dass Verzetnitsch nach seiner ÖGB-Entlassung auch als FSG-Mitglied mit Konsequenzen zu rechnen haben werde. "Nein, da müsste schon die Gewerkschaft ein Parteiausschlussverfahren in Gang setzen, davon ist überhaupt nicht die Rede, daran denkt kein Mensch."
Verzetnitsch war bis zuletzt täglich in der Gewerkschaftszentrale. Er hatte ein eigenes Büro, sei sehr früh gekommen und spät gegangen. Auf die Frage, ob dies üblich sei, sagte Hundstorfer, es sei "nicht unüblich. Es gibt in vielen Firmen und anderen Einrichtungen, wo leitende Mitarbeiter ausscheiden, aus welchen Gründen immer, eine gewisse Zeit zum Aufarbeiten", beispielsweise das Sichten von e-mails. Jedenfalls "war das mein geringstes Problem", so Hundstorfer. (apa/red)
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