Dienstag, 2. Mai 2006

Zu früh gefreut? US-Sammelklage gegen Bawag laut Anwalt noch nicht vom Tisch

  • "Prüfen, inwieweit BAWAG bei Refco verwickelt war"

Als "voreilig" bezeichnete der Lead-Anwalt in der geplanten Sammelklage gegen die insolvente Maklerfirma Refco die Behauptung von BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny, dass die Klagsrisiken der österreichischen Gewerkschaftsbank in den USA mit der am Montag mit Refco erzielten vorläufigen Einigung vom Tisch seien.

"Wir haben die rechtliche Möglichkeit, die BAWAG als Mitangeklagten in unsere Sammelklage miteinzubeziehen", sagte John Coffee von der Anwaltskanzlei Bernstein Litowitz Berger & Grossmann auf Anfrage der APA. Coffee war der Lead-Anwalt im Fall Worldcom. "Es ist voreilig, jetzt schon zu sagen, dass die Probleme der BAWAG in den USA beseitigt sind", so Coffee weiter.

Am Vortag hatten sich die Refco-Gläubiger mit der BAWAG vor einem New Yorker Konkursgericht auf eine vorläufige Einigung verständigt. Die Bank bleibt damit bis auf weiteres in den USA geschäftsfähig, solange der Kontostand nicht unter 1 Milliarde Dollar (791 Mio. Euro) fällt.

"Wir prüfen sorgfältig, inwieweit die BAWAG in den Refco-Skandal verwickelt war und ob wir die Bank in unsere Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs einbeziehen sollen", sagte Coffee weiter. "Er irrt sich. Er hat zu früh gesprochen", kommentierte Coffee die Aussage Nowotnys auf dem Krisengipfel am Montag vor Mitternacht in Wien. "Aber Genauigkeit war schon in der Vergangenheit nicht ihre Stärke".

Die Sammelklage wurde im April eingereicht. Mit einer Genehmigung durch den zuständigen Richter wird jedoch frühestens im April 2007 gerechnet. Bei den Spitzenklägern handelt es sich um zwei institutionelle Investoren. Der Klage könnten sich "tausende, wenn nicht zehntausende" Einzelaktionäre anschließen, sagte Coffee.
(apa/red)

2.5.2006 17:28