Dienstag, 2. Mai 2006

Weninger weist Vorwürfe zurück: BAWAG-Aufsichtsrat habe keine Kredite organisiert

  • Zu Rettung: "Machten das auch, ohne Öffentlichkeit"
  • Günter Weninger hat noch keine Anzeige erhalten

Der ehemalige BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger betont, dass er niemals Kredite über die der ÖGB-Vermögensverwaltungsgesellschaft zugeordnete Liechtenstein'sche Stiftung Desana Kredite organisiert habe. Diese Kredite seien ausschließlich von der BAWAG mit dem Stiftungsvorstand abgewickelt worden, "mit mir war das nicht abgesprochen", so Weninger auf Anfrage der APA. Zuletzt hatten der geschäftsführende ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer und Finanzchef Erich Foglar erklärt, dass der damalige ÖGB-Finanzreferent Weninger quasi im Alleingang die Desana 2002 gegründet habe.

Diese soll dann mit Mitteln von BAWAG und BAWAG-Töchtern Kredite an eine weitere der Desana nahe stehende Gesellschaft namens DF Capital weiter gegeben haben. Was die Desana betrifft, betonte Weninger, dass er von der Kreditvergabe der BAWAG am 10. Oktober des Vorjahres erst nach Beschlussfassung durch Vorstandsmitglieder erfahren und nie etwas von Ultimo-Krediten an Refco gewusst habe. Genaue Informationen "erhielt ich im Zuge der Prüfung durch den Aufsichtsrat und die Finanzmarktaufsicht. Die im Jahr 2002 gegebenen Haftungen des ÖGB erachteten Verzetnitsch und ich als Eigentümerverantwortung, um Schaden von der Bank abzuwenden".

Desana-Stiftung ausschließlich Idee der BAWAG-Führung
Die Gründung der Stiftung Desana sei ausschließlich Idee der BAWAG-Führung gewesen, die argumentiert habe, die Haftungssumme könne durch gut verzinste Kredite über BAWAG-Töchter und eben eine solche Stiftung verringert werden. "Zu diesem Zweck billigte ich die Stiftungsgründung im Namen der ÖGB-Vermögensverwaltungsgesellschaft".

Zur jüngsten Entwicklung bei der BAWAG und der nächtlichen Rettungsaktion durch Regierung, Nationalbank, Banken und Versicherungen meinte Weninger, er könne sich nicht vorstellen, dass jetzt noch etwas auftauche. Jedenfalls "mache ich nicht den anderen den Vorwurf, dass sie an die Öffentlichkeit gegangen sind. In erster Linie muss der Eigentümer für die Dinge gerade stehen. Und genau das haben wir damals gemacht. Aber um die Kunden nicht zu verunsichern, haben wir das im Stillen abgehandelt".

Weninger weiter: "Bei allen Fehlern, die tatsächlich passiert sind, und allen Vorwürfen, die uns intern gemacht worden sind, die Behandlung von Aufsichtsrat und den Gremien hätte genau diese Öffentlichkeit hervorgerufen und dann wäre es tatsächlich auch zu solchen Geldabflüssen gekommen".

Weninger will keine Provisionen kassiert haben
Weninger verwehrt sich auch heftig dagegen, dass angesichts der Kreditsummen "riesige Provisionen" geflossen sein sollen. "Das weise ich auf das Schärfste zurück, zumindest was mich betrifft".

Was seine weitere Zukunft und die Anzeige gegen ihn betrifft, sagte Weninger, bisher sei noch niemand an ihn herangetreten. Er habe auch keine Anzeige erhalten. "Ich warte jetzt, was auch mich zukommt. Was immer da kommt". Befragt, wie sein Kontakt zu den anderen ehemaligen bzw. neuen ÖGB-Spitzenfunktionären aussieht, sagte Weninger: "Ich habe kein gespanntes Verhältnis zu früheren Funktionären. Ich habe dort 45 Jahre gearbeitet, ich kenne alle. Ich habe mich bei allen Funktionären natürlich auch wegen der Geheimhaltung entschuldigt, die haben das wirklich nicht gewusst". Aber "wenn ich unseren Gremien berichtet hätte, hätte ich natürlich auch dem Aufsichtsrat berichten müssen. Das was wir befürchtet haben, war, der Aufsichtsrat war in Wirklichkeit nicht dicht. Das haben wir immer wieder beweisen können, in dem einzelne Aufsichtsrats-Protokolle in der Öffentlichkeit und den Medien gekommen sind. Das war natürlich auch zu überlegen".

Angesprochen auf das Verhalten der SPÖ oder des ehemaligen ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch sagte Weninger, "das will ich nicht kommentieren".
(apa/red)

2.5.2006 16:03