Dienstag, 2. Mai 2006

"Wir starten jetzt neu durch": BAWAG-Boss Nowotny rechnet noch heuer mit Verkauf!

  • Verkaufsprospekte: Aussendung noch vor Sommer
  • Bank bleibt optimistisch: "Käufer kauft die Zukunft"

BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny sieht in dem nächtlichen Rettungspaket für die Gewerkschaftsbank die Gelegenheit für einen Neustart nach den Karibik- und Refco-Turbulenzen. "Wir starten neu durch", sagte Nowotny bei einer Pressekonferenz mit der Regierungsspitze.

Die BAWAG sei eine aktive und starke Bank in Österreich und Europa. Risiken gehe sie heute nur noch im banküblichen und natürlich überschaubaren Maß ein. Nowotny persönlich rechnet damit, dass die Bank noch heuer, also 2006, verkauft wird. Vor dem Sommer jedenfalls würden nach bisherigem Fahrplan der Investmentbanker die Verkaufsprospekte an Interessenten versandt.

Mit der Bundes-Garantie für die Bilanz 2005 in Höhe von bis zu 900 Mio. Euro und der wohl für 2006 wirksamen Kapitalzusage der Banken und Versicherungen (450 Mio. Euro) sind die gesetzlichen Eigenmittelvorschriften der BAWAG-Gruppe erfüllt und alle möglichen Risiken abgedeckt. Damit sind die wesentlichsten Verkaufshindernisse aus dem Weg geräumt.

Nicht nur mit Blick auf die kleinen Anleger war die Aktion nötig, sondern auch für die internationalen Investoren in der BAWAG (z.B: Anleihegläubiger) und überhaupt für Investoren in Österreich, wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser zur Bedeutung des Bank-Stützungs-Pakts erklärte. "Wir brauchten international dieses Signal für alle, die in Österreich investieren.

Nowotny ist überzeugt, dass die BAWAG eine interessante Investition ist: "Für jeden Käufer interessant ist das Going-concern, also das, was die BAWAG aktuell und in Zukunft könne. "Ein Käufer kauft die Zukunft und nicht die Vergangenheit", findet Nowotny.

Die Bilanz der BAWAG 2005 hing, so Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Vormittag, von dem vorläufig vereinbarten US-Settlement mit den Refco-Gläubigern ab. Mit dem Garantiepaket kann die BAWAG auch die Bilanz 2005 erstellen. Das wäre sonst nicht möglich gewesen. "Es gibt bezüglich der Bilanz keine offenen Fragen mehr", berichtete Nowotny. Seinen Angaben zufolge drohten der BAWAG-Gruppe auf Ebene der Anteilsverwaltung Eigenkapitalprobleme.

Rückblickend besonders beunruhigend ist für den seit 1. Jänner 2006 amtierenden Generaldirektor der viertgrößten Bank in Österreich, dass das Fehlverhalten einer kleinen Gruppe von Leuten eine derart große Bank wie die BAWAG in solche Schwierigkeiten bringen konnte.

Nowotny, dem die Erleichterung ins Gesicht geschrieben ist, nannte es vor Journalisten als schmerzlich, dass damit der gute Ruf der von Karl Renner gegründeten einstigen Arbeiterbank in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nowotny selbst hat erst kürzlich bei einer Auktion eine von Renner unterschriebenen Gründeraktie der Bank erworben.

Ob die Bundesgarantie an die BAWAG oder an deren Anteilsverwaltung gegeben wird, ist noch offen. Fest steht, dass marktübliche Haftungsprovisionen dafür bezahlt werden, das ist aus beihilferechtlichen Gründen nötig, so der Bankvorstand. (apa/red)

2.5.2006 14:15