Verlängerte Stallpflicht: "Rebell" Toni Hubmann droht Strafe - Polizei kontrolliert
- Großbauer ließ Hühner vor laufender Kamera ins Freie
- Polizei und Bezirkshauptmannschaften kontrollieren
·Geflügel-Bauern ignorieren Stallpflicht
Steirischer Eierproduzent ließ die Tiere bereits frei
·Hühner-Stallpflicht bis 12. Mai verlängert
Maßnahme eigentlich nur bis 30. April vorgesehen
Unterschiedliche Auffassungen prallen in Sachen verlängerter Stallpflicht aufeinander. Während der Freilandeier-Großbauer Toni Hubmann sein Federvieh schon vergangene Woche vor laufender Kamera unter freiem Himmel scharren ließ, warten andere Hühner-Halter noch ab. Die Behörden agieren zurückhaltend: In der Steiermark beschränken sich Bezirkshauptmannschaften und Polizei vorläufig aufs Beobachten, ein Verfahren ist vorläufig nur gegen "Rebell" Hubmann bekannt.
Bis zu 4.000 Euro Strafe drohen jeden Geflügelhaltern, die sich nicht um die Stallpflicht kümmern und Hühner vor dem 12. Mai - wenn sie bis dahin tatsächlich aufgehoben wird - aus dem Stall lassen. Der obersteirische Eierproduzent Hubmann, der unter der Dachmarke "Toni's Freilandeier" rund 300 Eierbauern unter Vertrag hat, hat sein Federvieh bereits freigelassen. "Deswegen wird gegen ihn auch ein Verwaltungsstrafverfahren durchgeführt", erklärte der Bezirkshauptmann von Knittelfeld, Werner Wurzbach. Die Sachverhaltsdarstellung werde an den Staatsanwalt weitergeleitet. Die Polizei, Tierärzte und Gemeinden seien außerdem angehalten, Übertretungen festzustellen. Bis auf Hubmann gab es vorerst aber keine Anzeigen, so Wurzbach.
Ein südsteirischer Hühner-Bauer und "Toni's Freilandeiner"-Lieferant hat seine 2.400 Hühner noch im Stall - er gehört somit nicht zu jenen, die sich dazu entschlossen haben, die Verordnung nach dem Tierseuchengesetz zu ignorieren. "Natürlich bin ich mit der Situation nicht glücklich, aber so ist halt das Gesetz", so der Landwirt. Weitaus lockerer sieht es die Mehrzahl der Eigenbedarf-Hendlhalter in der Südsteiermark: Wie ein Lokalaugenschein zeigte, genießt dieser Tage vielerorts das Federvieh Käfer und Würmchen bei milder Frühlingssonne.
Polizei macht Stichproben
Die Polizei hat nun auch erste Kontrollen durchgeführt. So hat die Inspektion Kumberg nach einem mündlichen Auftrag der Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung einen Freilandbauern in Weinitzen kontrolliert. "Seine 2.000 Hühner waren in einem eingezäunten Bereich vor dem Stall", sagte ein Beamter am Mittwoch. Die Daten wurden aufgenommen und dann an die BH weitergeleitet. Der Landwirt meinte dazu nur, dass er "eh damit gerechnet" habe. Durch die Stallpflicht fühle er sich in seiner Existenz bedroht.
Kurios dann der zweite Einsatz der Kumberger Beamten: Ein anonymer Anrufer hatte eine alte Frau angezeigt, in deren eingezäunten Garten vier Hühner "in flagranti" beim Scharren erwischt wurden: "Das kann nur in böswilliger Absicht geschehen sein", mutmaßte ein Beamter.
Schlecht zu sprechen ist man bei den "Rebellen" unter der Flagge des "Vereins zur Förderung der Produktion und Vermarktung von Freilandeiern" aus dem oststeirischen Gnas auf die Politik, insbesondere Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, die "harte Strafen" angekündigt hat. "Sie zeigt ihre Macht", so Obmann Franz Pazek. Er ist empört, dass man nicht mit ihnen rede: "Es ist unglaublich: Da wird über unsere Köpfe hinweg über die Zukunft der Freilandhaltung verhandelt."
(apa/red)
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