"Schnapszahl" 04. 05. 06: Ganz besonderes Datum kann heute Ihren Selbstwert steigern
- Magisch: Zahlenfolge erfüllt Bedürfnis nach Sicherheit
- Tragisch: Betrunkener sieht einfache Ziffern doppelt
Auf den ersten Blick scheint der 4. Mai sich nicht von einem anderen Datum zu unterscheiden. Hinter der Zahlenfolge "04.05.06" versteckt sich aber eine "Schnapszahl". Warum Tagen wie dem 09. 09. 1999 oder dem noch bevorstehenden 06. 06. 2006 "magische Bedeutungen" zugewiesen werden, weiß Psychologe Dr. Christoph Kabas. Diese besonderen Ziffernkombinationen erfüllen das menschliche Bedürfnis nach Selbstwertsteigerung und Sicherheit.
"Schnapszahl" ist die scherzhafte Bezeichnung für Ziffern in einer auffallenden Reihenfolge, sagte Elisabeth Groschopf vom Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika. Laut Duden dürfte das Wort aus der Vorstellung entstanden sein, dass ein Betrunkener beim Lesen einfache Zahlen doppelt sieht. Belegt ist der eigentlich in Deutschland gebräuchliche Begriff ab 1900.
Ziffernkombinationen mit gleichen oder aufeinander folgenden Zeichen kommen relativ selten vor und werden deshalb als bedeutsam angesehen, stellte Kabas fest. Mit Ereignissen wie Hochzeit oder Taufe versuchen viele, einen persönlichen Bezug zu solchen Tagen herzustellen. So wollen sie ihm zusätzliche Wichtigkeit verleihen und ein Stück davon "abbekommen". Ziel dabei ist eine Steigerung des eigenen Selbstwerts.
Die scheinbar bestechende, kühle Logik von Zahlen wirke sehr verlockend, weiß der Psychologe. Ein Bedürfnis nach Sicherheit können sie vor allem dann erfüllen, wenn es darum geht, in den Turbulenzen des persönlichen Lebens Ordnung zu schaffen. Sie ermöglichen den Menschen Interpretationen, die ein Gefühl von Kontrolle und eine besondere Einsicht vermitteln.
Ein Datum wie der 4. Mai 2006 enthalte auch einen ästhetischen Moment, sagte Kabas. Daher wählen viele solch einen Tag für außergewöhnliche Ereignisse mit einem Augenzwinkern und inszenieren ihn aus Spaß.
Das "Spielen mit Zahlen" habe in Europa außerdem eine lange Tradition, meinte Kabas. So hätten bereits die Griechen im fünften Jahrhundert vor Christus versucht, "die Harmonie der Welt" mit Nummern zu erklären. Die jüdische Kabbalah-Lehre suche ebenfalls nach einer verborgenen Rolle dieser Zeichen.
Manche Menschen messen besonderen Zahlenkombinationen auch bei wichtigen Entscheidungen eine Bedeutung bei, so der Psychologe. Da diese nicht immer leicht getroffen werden, geben oft kleine Momente den Ausschlag, welche Wohnung oder welches Auto gekauft wird. Viele neigen in solchen Situationen dazu, irrationalen Argumenten den Vorzug zu geben, da man diesen nur schwer etwas entgegen halten kann, sagte Kabas.
(apa/red)
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