Greenpeace beendet Blockade auf der A10: 160 km/h-Teststrecke war ganzen Tag dicht
- Abzug um 20 Uhr: "Haben unser Ziel erreicht"
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Zwölf Stunden lang gab es am Dienstag anstelle von Tempo 160 auf der Teststrecke der Tauernautobahn A10 in Richtung Salzburg überhaupt keinen Verkehr. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hatten um 8.00 Uhr früh die Autobahn blockiert. Um 20.00 Uhr wurde die Aktion beendet, die Polizei schritt nicht ein. Man wolle den Aktivisten keine "Bilder" liefern, begründete Kärntens Verkehrslandesrat Gerhard Dörfler (B) die Zurückhaltung der Exekutive. Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) warf Greenpeace "Gemeingefährdung" vor.
"Wir haben unser Ziel erreicht", sagte Greenpeace-Geschäftsführer Bernhard Drumel am Abend. Das Ziel war gewesen, am ersten Tag des Pilotversuchs zu verhindern, dass auf dem zwölf Kilometer langen Abschnitt der A10 zwischen Paternion und Spittal-Ost 160 gefahren werden kann. Auch in der Gegenrichtung gab es keine Lizenz zum Rasen, aus Sicherheitsgründen wurde Tempo 100 bzw. Tempo 80 verhängt. Drumel rechtfertigte den Greenpeace-Einsatz mit massiven Sicherheits- und Umweltbedenken und forderte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) auf, das Projekt zu stoppen, wenn Gorbach nicht selbst zur Vernunft komme.
Grüne fordern Stopp des Pilotversuchs
Die Grünen, die von 10.00 bis 13.00 Uhr eine Teilblockade angemeldet hatten, forderten einen Abbruch des für zwei Monate anberaumten Pilotversuchs. Die stellvertretende Bundessprecherin Madeleine Petrovic und Kärntens Landessprecher LAbg. Rolf Holub bezeichneten das Projekt als umweltgefährdend, als Sicherheitsrisiko und zudem als "illegal": Sie berufen sich auf den Verfassungsrechtler Theo Öhlinger. Dieser habe erklärt, dass eine Erhöhung des Tempolimits über 130 km/h hinaus nicht zulässig sei, wenn Experten ein Sicherheitsrisiko konstatieren würden. Dies sei auf der A10 der Fall. Grüne und SPÖ wollen die Landesregierung nun dazu bringen, Einspruch gegen den Pilotversuch zu erheben.
Emotional gefärbt war die Reaktion Gorbachs, der "unfassbaren Leichtsinn" konstatierte. "Man kann von Glück sagen, dass kein Unfall passiert ist." BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch sprach wie sein Parteifreund Dörfler von "linken Berufsdemonstranten" und "billigem Aktionismus". Unterstützung für Gorbach gab es von der Österreichischen Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, die meinte, Telematik-Vorrichtungen ließen ein flexibles Tempolimit zu.
VCÖ: Tempo 160 "katastrophales Signal für Risikolenker"
Für den Verkehrsclub Österreich VCÖ wiederum ist Tempo 160 ein "katastrophales Signal für Risikolenker". Zu hohes Tempo sei die Hauptursache tödlicher Verkehrsunfälle. Kritik gab es auch von ARBÖ-Präsident Herbert Grundtner. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit warnte, eine Kollision bei 160 mache das beste Auto zu einer Todesfalle. Als "Fan" der Aktivisten outete sich der SPÖ-Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Paternion, Georg Eder, der die Blockade ausdrücklich begrüßte. Sein Spittaler Amtskollege Gerhard Köfer (S) will am 21. Mai selbst die Autobahn lahmlegen, um gegen den Pilotversuch zu protestieren.
Trotz der ganztägigen Umleitung des Verkehrs auf die Drautal-Bundesstraße B100 gab es kaum Behinderungen. Die Polizei meldete einen einzigen schwereren Unfall. Und dieser hatte mit dem Transit nichts zu tun: Die Lenkerin hatte sich im Auto nach einer Zigarette gebückt, und war von der Straße abgekommen. Die Frau erlitt schwere Verletzungen, ihr zwei Jahre alter Sohn und eine 18-jährige Schülerin wurden ebenfalls verletzt.
(APA/red)
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