FORMAT-Interview: Tui-Chef Leitner über Folgen für Tourismus nach Ägypten-Terror
- "Griechenland und Spanien sind große Gewinner"
- Naturkatastrophen schneller verdaut als Terrorismus

Tui-Austria-Chef Franz Leitner im FORMAT-Interview über die Folgen des Ägypten-Terrors und die Schmerzschwellen von Touristen.
Format: Wo verbringen Sie heuer Ihren Urlaub?
Leitner: Ich besuche meine Schwiegereltern in der Heimat meiner Frau. Sie stammt aus Fuerteventura.
Format: Werden die Österreicher Ägypten heuer meiden?
Leitner: Ägypten hat schon nach den Anschlägen im Vorjahr deutliche Tourismuseinbußen hinnehmen müssen. Das wird sich nun weiter verstärken.
Format: Was heißt das für Sie als Reiseveranstalter?
Leitner: Der Rückgang im Ägypten-Geschäft beträgt bei uns je nach Destination zwischen sieben und zehn Prozent.
Format: Laufen Ihre Telefone wegen Umbuchungen heiß?
Leitner: Nein. Wir haben bisher kein einziges Storno und nur zwanzig Umbuchungen.
Format: Wer verliert heuer außer Ägypten?
Leitner: Auch die Türkei wird schlecht abschneiden. Wir erleben hingegen einen Boom bei Autoreisen, und auch hochpreisige Fernreisen verkaufen sich wieder gut.
Format: Profitiert der Österreich-Tourismus?
Leitner: Das bezweifle ich. Wer fliegen will, wird fliegen, nur eben an andere Destinationen. Einige Gäste werden abwarten, wie sich die Lage entwickelt.
Format: Welche Länder sind dann die Gewinner?
Leitner: Bei den Flugreisen liegen Griechenland und Spanien vorne. Griechenland feiert als Alternative zur Türkei ein Comeback und bietet sich genauso wie Spanien auch als Alternative zu Ägypten an. Zypern, Bulgarien und Tunesien sind stabil. Kroatien legt bei den Autoreisen am stärksten zu, gefolgt von Italien.
Format: Terrorangst in Ägypten und Bali, Vogelgrippe in der Türkei. Insgesamt ein schlechtes Jahr für den Tourismus?
Leitner: Heuer wirken sich die Probleme wie Vogelgrippe, der Streit um die Mohammed-Karikaturen, die Ereignisse im Irak und nun die Anschläge in Ägypten stark aus. Wir rechnen für das Gesamtjahr trotzdem mit einem dreiprozentigen Umsatzplus.
Format: Nach dem 11. September hat die gesamte Branche stark gelitten. Haben sich die Touristen schon an die Bomben gewöhnt?
Leitner: Es ist ein absoluter Gewöhnungseffekt eingetreten. Die Urlauber sind gegenüber der Gefahr resistenter. Sie haben begriffen, dass diese Ereignisse zum täglichen Leben dazugehören.
Format: Wie lange wird Ägypten nun gemieden werden?
Leitner: Unmittelbar sind die Auswirkungen sehr stark. Das hält rund drei Wochen an. Spätestens zur Hochsaison erwarte ich aber schon wieder eine Normalisierung der Lage.
Format: Lassen sich Urlauber von den günstigen Preisen in Ägypten verführen?
Leitner: Das spielt sicher eine Rolle. Ägypten hat als Pauschalreisen-Destination gemeinsam mit der Türkei auf der Mittelstrecke das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Format: Schnäppchenpreise übertünchen also die Gefahr?
Leitner: Einerseits, ja. Aber ohne ein gutes Produktangebot und den Gewöhnungseffekt der Kundschaft könnten Niedrigpreise auch nichts ausrichten.
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