Samstag, 29. April 2006

Das nächste Gefecht: FORMAT über den Preiskampf in Österreichs Mobilfunk-Szene

  • Grünes Licht aus Brüssel für Fusion tele.ring/T-Mobile
  • Auch Pre-Paid-Diskonter heizen Konkurrenz stark an

Brüssel gibt grünes Licht für den Zusammenschluss von T-Mobile und tele.ring. Der Preiskampf geht jetzt an allen Fronten umso heftiger weiter.

"Mühsam, sehr mühsam" seien die letzten Monate gewesen. Die Erleichterung ist tele.ring-Chef Michael Krammer anzumerken. Weniger deshalb, weil er im Geiste seit Monaten auf gepackten Koffern saß (er wird ePlus-Chef in Deutschland), sondern weil er eine verunsicherte Mannschaft motivieren und beruhigen musste. Nun schalteten die Brüsseler Wettbewerbskommission und der österreichische Regulator die Ampeln auf Grün für die Übernahme. T-Mobile bringt um 1,3 Milliarden Euro Kaufpreis den aggressivsten Preisbrecher der letzten Jahre unter die eigenen Fittiche und rückt damit ziemlich nah an Marktführer Mobilkom heran. Die beiden Big Player kontrollieren nun drei Viertel des Marktes. Bedingung für das "Go" war das Abtreten von 2.000 der fast 3.700 Sendestationen an Hutchison ("3"), die diese Anlagen mit der UMTS-Nachfolgetechnologie HSDPA aufrüsten wird (siehe Interview). Über die Abtretung eines weiteren Teils an One sind die Gespräche laut T-Mobile-Chef Georg Pölzl "sehr weit gediehen".

Dennoch konnte sich der T-Mobile-Boss nicht lange mit dem Schampus-Öffnen aufhalten, schließlich steht ihm mit der Zusammenführung eine gewaltige Herausforderung bevor: sowohl technisch als auch kulturell. Die Mitarbeiter-Workshops im eigenen Haus haben begonnen, und "ab sofort" geht es damit in der Hainburger Straße, dem tele.ring-Hauptquartier, weiter. "Durch die natürliche Fluktuation über die letzten Monate, sowohl bei uns im Haus als auch bei der tele.ring, werden die Notwendigkeiten zum Mitarbeiterabbau weit geringer sein, als wir dachten", so Pölzl. Es werden maximal zehn Prozent der tele.ring-Belegschaft gehen müssen.

Synergien will Pölzl vor allem in der Verwaltung, bei der Netztechnik sowie in der Marktbearbeitung heben. Er macht nun auch offiziell klar, wohin die Reise gehen soll: "Wir werden beide Marken unter einem Dach führen. Die Positionierung werden wir nicht ändern."

Der T-Mobile-Chef schickt klare Signale an die Konkurrenz, die sich schon seit Monaten für die nächsten Preiskampf-Runden aufwärmt: "Der Mitbewerb hat die Rechnung ohne uns gemacht. Wir werden es mit einer klar differenzierten Positionierung schaffen, beide Marken wirtschaftlich erfolgreich unter einem Dach zu führen." Damit folgt auch T-Mobile erstmals dem internationalen Trend zur Marken-Diversifizierung. Der Erfolg, so die Einschätzung der Analysten, werde davon abhängen, wie schnell und gut die Migration über die Bühne gebracht wird.

The good times are gone
Am Handymarkt wird nach wie vor mit immer härteren Bandagen gekämpft, denn durch den massiven Wettbewerb ist die Wachstumskurve in Österreich schon früher verflacht als in anderen Ländern und lag 2005 schon bei nur mehr 4 Prozent - in den größeren EU-Märkten waren es im Schnitt noch 6,7 Prozent. "In Österreich ist die Position der kleineren Betreiber als Wettbewerbstreiber noch relativ stark", urteilt Karim Taga vom Telekom-Analysten AD Little. Zwar geht schon mehr als die Hälfte der Sprachtelefonie über die Mobilfunker, die Margen seien aber zu niedrig, um die Infrastruktur-Investitionen wieder hereinzuspielen. Denn bis auf die Mobilkom hat keiner der Infrastruktur-Betreiber seine UMTS-Investitionen wieder hereingespielt und schreibt echte Gewinne. Die Terminisierungsentgelte, die sich die Netzbetreiber gegenseitig für die Vermittlung der Gespräche zahlen, werden schrittweise abgesenkt, und mit einer Absenkung der Roaminggebühren, die teilweise bis zu einem Fünftel der Umsätze ausmachen, ist der nächste Einschnitt am Umsatz-Kuchen absehbar.

Zwischen Flatrates und Diskont-Funk
Der Kampf geht weiter, schließlich gilt es - auch wenn ein GSM-Netz de facto abgebaut wird -, die Kapazitäten auszulasten, und dafür wird die Sprachtelefonie sprichwörtlich "verschenkt". One hat mit Tele2, eTel und eety schon einen ganzen Rucksack voller Wiederverkäufer von Sprachminuten im Netz und mit der Diskontmarke yesss! eine sehr erfolgreich No-Frills-Marke etabliert, die aber auch den Durchschnittsumsatz pro Kunde (ARPU) gehörig verringert. Zwar will One-Chef Joergen Bang-Jensen "nichts Besonderes tun, um tele.ring-Kunden zu gewinnen", er hat aber mit den "Plus"-Tarifen schon vor Wochen einen Preis in den Markt gesetzt, der auf die tele.ring-Klientel abzielt. Dazu will One noch einmal 70 Millionen Euro in das Netzwerk investieren, um ab dem Sommer HSDPA anbieten zu können. Die Substituierung des Festnetzes durch das mobile Breitbandinternet schreitet voran, und der Preiskampf wird auch bei Datenkarten und Tarifen geführt.

Angeheizt wird der Preiswettbewerb nicht nur durch die Diskonter im Prepaid-Segment, auch bei den Vertragstarifen wird knapp kalkuliert. Der Trend geht zu Paketpreisen, A1 hat seine "Unlimited"-Tarife, T-Mobile die "Relax"-Tarife auf Kontingente umgestellt, und "3" brachte vor kurzem die erste "richtige" Flatrate auf den Markt, wo um 69 Euro ohne jedes Limit in alle Netze telefoniert werden kann.

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29.4.2006 08:04