Scolari wird nicht englischer Teamchef: Druck der Medien ist für Brasilianer zu hoch
- "Jeden Morgen warten 20 Reporter vor meinem Haus"
- Verpflichtung war von Beginn an kritisiert worden
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Der portugiesische Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari hat dem englischen Fußball-Verband (FA) einen Korb gegeben. "Ich werde nicht englischer Nationaltrainer", erklärte der 57-jährige Brasilianer auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im ostwestfälischen Marienfeld, wo Portugal während der Weltmeisterschaft sein Quartier bezieht.
Scolari begründete seinen überraschenden Entschluss mit dem zu großen Mediendruck aus England. Die FA hatte am Donnerstag bestätigt, mit Scolari Verhandlungen über die Nachfolge von Sven-Göran Eriksson zu führen. Der Schwede gibt nach der WM sein Amt ab.
"Jeden Morgen warten 20 Reporter vor meinem Haus. Ich mag solchen Druck nicht", sagte Scolari und betonte, dass seine Entscheidung endgültig sei: "Ich möchte einen Schluss-Strich unter diese Sache ziehen." Seit bekannt geworden war, dass die FA Scolari als nächsten Coach verpflichten möchte, haben englische Reporter den Brasilianer auf Schritt und Tritt verfolgt.
Von Beginn an Kritik an möglicher Verpflichtung
Eine Verpflichtung Scolaris war in England von Beginn an von einigen Seiten kritisiert worden. Beispielsweise hatte sich die Vereinigung der englischen Klubmanager (LMA) Mitte der Woche gegen einen erneuten ausländischen Nationalcoach ausgesprochen. "Im Interesse der Entwicklung und Förderung von Trainern und des Management in unserem Land bevorzugen wir einen englischen Trainer für die Nationalmannschaft", hatte LMA-Chef John Barnwell erklärt. In einer Umfrage des Fernsehsenders Sky Sport hatten sich 51 Prozent der Zuschauer gegen Scolari ausgesprochen.
Der englische Verband wurde von der Absage Scolaris kalt erwischt. Man werde über diese Absage "nachdenken", erklärte der Verband. Noch wenige Stunden zuvor hatte die BBC unter Berufung auf "hohe Kreise innerhalb der FA" gemeldet, der neue Coach solle nächste Woche bekannt gegeben werden. "Die FA wird einen Namen wählen, aber meiner wird es nicht sein", stellte Scolari am Abend klar.
Der 57-Jährige hatte vormittags noch bestätigt, dass ihm ein Angebot der Engländer vorliegt. "Er (FA-Geschäftsführer Brian Barwick, Anm.) legte mir einen Vertrag über fünf Jahre und einen über sieben Jahre auf den Tisch", zitierte die Londoner Abendzeitung "Evening Standard" den Welt-Nationaltrainer des Jahres 2002. Die Gespräche seien mit Wissen des portugiesischen Verbandes geführt worden, betonten Scolari und die FA.
Der Coach hatte sowohl bei der WM 2002 als auch bei der EM 2004 mit seinen jeweiligen Teams England ausgeschaltet. 2002 wurde er mit Brasilien Weltmeister, 2004 führte er Portugal ins Finale. Nach Scolaris Absage gilt nun Middlesbrough-Coach Steve McClaren als Favorit auf die Eriksson-Nachfolge.
(apa/red)
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