Freitag, 2. Juni 2006

Brauner Kicker-Terror: Neonazis rüsten für
Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland

  • NEWS: Rechtsextremisten planen ein WM-"Massaker"
  • Spiel Deutschland gegen Polen besonders gefährdet

Die einen tragen ihre kahlen Köpfe, ihre Bomberjacken und Springerstiefel stolz zur Schau. Sie gehen auf die heimischen Fußballplätze und schlagen gerne und kräftig zu. Die anderen präferieren Seitenscheitel, gediegene Wiener Kaffeehäuser und setzen lieber auf die Gewalt der Worte. Seit einiger Zeit sind die einen - die Fußballhooligans und Skinheads - und die anderen - die politischen "Führer" und Neonazis - in Österreich vernetzter denn je.

Und ganz plötzlich haben sie neben Ewiggestrigkeit noch ein zweites gemeinsames Ziel: die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland vom 9. Juni bis 9. Juli. "Die gezielte Politisierung der Hooligan-und Skinheadszene ist neu und von erschreckender Qualität. Gewaltbereite österreichische Skinheads wollen jetzt zur Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland fahren und dort mit internationalen Neonazis für Krawalle sorgen", erklärt denn auch der Rechtsextremismusexperte des Österreichischen Dokumentationsarchivs, Heribert Schiedl.

Innenministerin Liese Prokop erklärt im NEWS-Interview denn auch: "Wir beobachten diese Szene sehr gewissenhaft. Daher haben wir nicht nur in Wien, sondern auch in Deutschland einen eigenen Sicherheitsstab wegen der Fußball-WM. Auch die grenzüberschreitenden Kontakte der Skinheads schauen wir uns ganz genau an." Internationale Neonazis wollen die Weltmeisterschaft offensichtlich als öffentlichkeitswirksame Plattform missbrauchen. Ein gefährlicher Hooligan-Tourismus aus Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Polen, Deutschland und Österreich rollt auf die Spielstätten zu. Der portu-giesische Neonaziführer Mário Machado kündigte bereits "Aktionen" während der Fußball-WM an: "Es wird Probleme mit den Fans geben." Ein italienischer Rechtsextremist hat der Tageszeitung "La Repubblica" zu Protokoll gegeben: "Wir haben uns zusammengeschlossen. Zum ersten Mal sprechen und planen wir gemeinsam. Wir haben erstmals alle ein Ziel: Bei der Weltmeisterschaft wird es ein Massaker geben."

Am 10. Juni findet jedenfalls im deutschen Jena ein von der rechtsextremen NPD organisiertes "Fest der Völker" statt. Dort werden neben dem portugiesischen Neonazi Machado auch österreichische Rechte erwartet. Dieser "Event" dürfte der Startschuss für die geplanten "Aktionen" im Zuge der Fußballspiele sein. Besonders gefährdet ist das Spiel Deutschland gegen Polen am 14. Juni in Dortmund. In der Ruhrmetropole skandieren nicht nur regelmäßig Neonazis "Dortmund ist unsere Stadt", auch die polnische Hooliganszene (siehe Fotos mit Hakenkreuzfahne links) gilt als besonders gewalttätig. "Das Spiel hat zudem einen historisch sehr sensiblen Charakter", meint ein Verfassungsschützer. Unter besonderer Beobachtung stehen weiters die Spiele Angola gegen Portugal am 11. Juni in Köln, Portugal gegen Iran am 17. Juni in Frankfurt und Iran gegen Angola am 21. Juni in Leipzig.

2.6.2006 12:29