Nichts für schwache Nerven: Middlesbrough und Sevilla zittern sich ins UEFA-Cup-Finale
- Italiener Maccarone macht die Engländer glücklich
- Auch in Sevilla war ein Ersatzmann der Matchwinner
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Wie in der Champions League mit der Paarung FC Barcelona - Arsenal kommt es auch im heurigen UEFA-Cup mit FC Sevilla - Middlesbrough zu einem spanisch-englischen Endspiel. Einen kleinen, aber durchaus erfreulichen Unterschied gibt es doch: Österreichs Fußball spielt am 10. Mai in Eindhoven zumindest indirekt mit. Emanuel Pogatetz, der nach seiner im Viertelfinale erlittenen Gesichtsverletzung derzeit außer Gefecht ist, verdient sein Geld in Nordost-England.
Die beiden Semifinal-Rückspiele waren bis zum Abpfiff nichts für schwache Nerven. Vor allem die Beteiligten im mit 34.622 Zuschauern gefüllten Riverside-Stadion von Middlesbrough, wo die Hausherren Steaua Bukarest nach dramatischen 90 Minuten 4:2 niederrangen, verlief wie ein Krimi a la Hitchcock. Nach nicht einmal einer halben Stunde 0:2 und dem Gesamtscore von 0:3 (Hinspiel 0:1) scheinbar K.o., machte sich der teuerste Einkauf Boros abermals bezahlt.
Sein Name: Massimo Maccarone. Der Stürmer, der 2002 für umgerechnet 11,5 Mio. Euro von US Empoli geholt worden und bisher nur zu Kurzzeit-Einsätzen gekommen war, erzielte in der 89. Minute per Kopf das entscheidende vierte Tor und beförderte damit seinen Verein in der zweiten Europacup-Saison zum bisher größten Erfolg in der 130-jährigen Geschichte der Roten, die bei der internationalen Premiere (UEFA-Cup 2004/05) den GAK in der Runde der letzten 32 knapp eliminiert hatten.
Engländer haben die besseren Nerven
Maccarone, erst in der 26. Minute für Southgate eingewechselt und schon sieben Minuten später zum ersten Mal (zum 1:2) erfolgreich, hatte schon die Aufholjagd im Viertelfinale gegen FC Basel mit seinem Treffer in letzter Minute zum entscheidenden 4:1-Heimsieg gekrönt. "Ich kann es noch gar nicht glauben, es ist einfach nicht zu fassen", stammelte der Stürmer in den dunklen Himmel, der für ihn und seine Kollegen wie 2004 (Gewinn des englischen Liga-Cups) voller Geigen hing.
"Die Einstellung, der Charakter und die Leidenschaft waren großartig. Das habe ich schon nach dem Basel-Match gesagt und diese Tugenden haben meine Spieler auch diesmal gezeigt", lobte Boro-Coach Steve McClaren, der es verkraften wird, dass der Brasilianer Luiz Felipe Scolari laut Medien-Berichten das Rennen um die Nachfolge des englischen Teamchef Sven-Göran Eriksson gemacht haben dürfte.
Während die Rumänen vom Platz schlichen, schüttelte der Trainer der Verlierer den Kopf. "So eine Niederlage ist kaum zu verstehen. Ich habe noch nie in meinem Leben solch individuellen Abwehrfehler gesehen", sagte Cosmin Olaroiu, dessen Schützlinge sich nur darauf konzentriert hätten, keine Gelbe Karte zu bekommen, um dann im Endspiel nicht zu fehlen. "Ich habe ihnen noch in der Pause gesagt, nicht an Eindhoven zu denken. Aber sie haben letztlich ihre Köpfe verloren."
Ein Ersatzmann als Matchwinner
Auch im Sanchez-Pizjuan-Stadion avancierte ein Ersatzspieler zum Matchwinner. Mittelfeldmann Antonio Puerta, in der Region geboren und in der 77. Minute für Adriano Correia gekommen, versetzte die 45.000 Zuschauer und Zehntausende in der Stadt mit seinem Goldtor per Half-Volley zum 1:0 in der 101. Minute in Ekstase. Knallkörper und Feuerwerke machten die Nacht zum Tag. "Puerta (auf Deutsch: Tür) stieß für den FC Sevilla die Tür zum Himmel auf", schrieb "El Mundo".
"Marca" beschrieb das Ereignis so: "Puerta hat den deutschen Widerstand gebrochen und ein Tor für die Geschichte erzielt." Die Andalusier haben seit 1948 keinen Titel mehr gewonnen und sind zuletzt 1962 in einem Finale gewesen. "Das 1:0 und der Aufstieg sind ein riesiger Erfolg für uns", resümierte Coach Juande Ramos mit heiserer Stimme. Der Schalker Traum vom zweiten UEFA-Cup-Triumph nach 1997 platzte genau um 0.00 Uhr. "Es ist sehr bitter, wenn man so nah dran ist", meinte Trainer Mirko Slomka stellvertretend für die Verlierer.
(apa/red)
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