Wieder sechs Todesopfer: Zehntausende Menschen im Irak auf der Flucht vor Gewalt
- Zawahiri sieht Rückgrat der US-Armee gebrochen
- US-Präsident Bush rechnet mit mehr Blutvergießen
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Die anhaltende Gewalt im Irak hat nach Angaben der Regierung in Bagdad bereits zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Vizepräsident Adil Abdul Mahdi sprach am Samstag von rund 100.000 Familien, die vor Anschlägen und Übergriffen geflohen seien. 90 Prozent davon seien Schiiten, sagte Mahdi. Landesweit wurden am Samstag erneut mindestens sechs Iraker getötet. Der Vizechef des Terrornetzwerks Al Kaida, Ayman al-Zawahiri, sieht durch die Gewalt indes das Rückgrat der US-Truppen im Irak gebrochen.
Die Schiitische Stiftung bezifferte die Zahl der Flüchtlinge auf 90.000 beziehungsweise 13.750 Familien. Allein 25.000 Iraker seien seit den Anschlägen auf die Goldene Moschee von Samarra am 22. Februar auf der Flucht, sagte Stiftungssprecher Salah Abdul Razak.
In der sunnitisch dominierten Ortschaft Jurf al-Zakar südlich von Bagdad überfielen Bewaffnete einen Polizisten und seinen Bruder und richteten beide regelrecht hin. In der Hauptstadt wurden zwei Brüder, die für ein ausländisches Unternehmen arbeiteten, aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Im Westen Bagdads riss eine am Straßenrand versteckte Bombe einen Polizisten in den Tod, zwei weitere wurden verletzt. In Tal Afar im Westen des Landes wurden bei einer Mörserexplosion ein Iraker getötet und zwei Kinder verletzt.
"Wir preisen Allah, dass drei Jahre nach der Irak-Invasion der Kreuzritter Amerika, Großbritannien und ihre Alliierten nur Verluste, Katastrophen und Unglücke erlitten haben", sagte Zawahiri in einem am Samstag im Internet veröffentlichten Video. Er verwies auf über 800 Anschläge, die allein Al Kaida binnen drei Jahren verübt habe. Hinzu kämen zahlreiche weitere Gewalttaten anderer Aufständischer. Die Botschaft wurde laut Zawahiri am 9. April aufgenommen, dem dritten Jahrestag des Falls des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Zawahiri hatte vor wenigen Tagen in einer Videobotschaft weitere Anschläge angekündigt. Darin bezeichnete er die neue irakische Regierung als Marionette der USA.
Bush rechnet mit mehr Blutvergießen
US-Präsident George W. Bush sagte in seiner wöchentlichen Radioansprache, auch die nach monatelangem Tauziehen zwischen den religiösen und ethnischen Gruppen gebildete neue irakische Regierung werde das Blutvergießen nicht stoppen können. Die Menschen müssten weiterhin mit "Tagen des Opfers und des Kampfes" rechnen, sagte Bush am Samstag. Die Regierungsbildung im Irak sei "ein riesiger Schritt auf dem Weg zu Sieg" und ein Schlag gegen "die Feinde der Freiheit", erklärte Bush weiter. Da die Aufständischen wüssten, dass der Aufbau einer Demokratie im Irak ihre Niederlage bedeute, würden sie jedoch weitere "verzweifelte Gewalttaten" begehen.
Mit mindestens 69 getöteten Soldaten haben die US-Streitkräfte im April so viele Verluste erlitten wie seit Monaten nicht mehr. Bushs Umfragewerte sind wegen seiner Irak-Politik so schlecht wie nie zuvor. Im März wurden 31 US-Soldaten im Irak getötet, im Februar waren es 55 und im Jänner 62.
Das US-Heer leitete am Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Leiter des Verhörzentrums im irakischen Gefängnis Abu Ghraib ein. Oberstleutnant Steven Jordan ist damit der ranghöchste Offizier, der im Zusammenhang mit dem Gefängnisskandal angeklagt wurde. Ihm werden zwölf Vergehen in sieben Anklagepunkten vorgeworfen, darunter Grausamkeit und Misshandlung von Gefangenen.
(apa/red)
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