Donnerstag, 27. April 2006

Jagd nach Sinai-Attentätern: Innenminister al-Adli vermutet Beduinen als Drahtzieher!

  • Mubarak sagt Terroristen entschlossenen Kampf an
  • PLUS: Die BILDER vom schrecklichen Anschlag!

Zwischen den jüngsten Terroranschlägen und früheren Attentaten auf dem Sinai besteht nach Ansicht des ägyptischen Innenministers Habib al-Adli ein Zusammenhang. Es gebe Hinweise, dass es sich bei den Tätern um Beduinen handele, sagte er im ägyptischen Fernsehen. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf einen flüchtigen Verdächtigen namens Nasr Khamis. Er soll an den Anschlägen in Taba 2004 und Sharm el-Sheikh 2005 beteiligt gewesen sein und womöglich auch die Bluttat in Dahab organisiert haben.

Bei den beiden früheren Anschlägen wurden mehr als 100 Menschen getötet, am vergangenen Dienstag mehr als 20. Die Ermittler überprüften das genetische Material von drei Leichen, um festzustellen, ob es sich um die vermuteten Selbstmordattentäter handelte. Die ägyptischen Behörden haben für die Terroranschläge auf der Sinai-Halbinsel wiederholt extremistische Beduinen verantwortlich gemacht, die sich von der Regierung benachteiligt fühlen. Internationale Sicherheitsexperten vermuten aber eher Gruppen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida als Urheber.

Präsident Hosni Mubarak sagte allen Terroristen erneut einen harten und entschlossenen Kampf an. Die Sicherheit und die Stabilität Ägyptens seien Werte, die niemand antasten dürfe, sagte Mubarak in einer Fernsehansprache zum Tag der Arbeit. Alle "Extremisten und Fanatiker", die die Einheit der Gesellschaft zu stören versuchten, würden den starken Arm des Gesetzes zu spüren bekommen. Der Präsident bezog sich damit auch auf die jüngsten gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Moslems und der Minderheit der koptischen Christen.

Nur zwei Tage nach dem tödlichen Dreifach-Anschlag im Badeort Dahab schlugen Terroristen am Mittwoch im Norden der Sinai-Halbinsel abermals zu: Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einem Stützpunkt einer multinationalen Friedenstruppe am Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen in die Luft. Vier Personen wurden verletzt, die beiden Attentäter kamen ums Leben.

Wegen seiner Berichterstattung über die Anschläge von Dahab wurde der Kairoer Büroleiter von Al-Jazeera dem Sender zufolge festgenommen. Hussein Abdel Ghani meldete sich per Mobiltelefon in seiner Redaktion und erklärte: "Es war eine Polizeientführung - gegen jedes Recht." Abdel Ghani sprach nach eigenen Angaben aus dem Büro des Staatsanwalts in Heliopolis, einem Vorort von Kairo. Eine Bestätigung der ägyptischen Behörden lag zunächst nicht vor.
(apa/red)

27.4.2006 18:10