Mittwoch, 5. April 2006

Flutdrama an der March

Eine Region klagt an: Der völlig desolate Schutzdamm wurde bis heute nicht saniert

Das Wasser kam, als es noch dunkel war. Vergangenen Montag, gegen vier Uhr früh, wurden Hermann und Renate Pürschl aus Dürnkrut von der freiwilligen Feuerwehr aus ihrem kleinen Einfamilienhaus geklingelt – Hochwasseralarm. Der Damm der wenige hundert Meter entfernten March war gebrochen. Innerhalb weniger Stunden hatten sich die Wassermassen über die kleine Gemeinde an der österreichisch-slowakischen Gren-ze ergossen, 350 Häuser unter Wasser gesetzt und etwa 700 Bewohner zur Flucht gezwungen.

Alles verloren. „Es ist so unglaublich schnell gegangen, dass wir gar nichts mehr mitnehmen konnten. Wir durften nur das mitnehmen, was wir am Körper getragen haben – dann mussten wir das Haus verlassen, um unsere betagten Mütter zu retten, die nebenan wohnen“, schildert Hermann Pürschl die tragischsten Minuten seines Lebens. Das Haus des 55-Jährigen wurde vom Keller bis zum Erdgeschoß geflutet – Werkzeuge, Büromaterialien, Computer. „Jetzt“, so Hermann Pürschl, „haben wir Angst, dass der Damm vollständig bricht.“

Die Chronologie der Ereignisse lässt in ganz Österreich Erinnerungen an den verheerenden Hochwasser-Sommer 2003 wach werden: Durch das anhaltende Hochwasser seit Ende März waren die Dämme der March so aufgeweicht, dass in der Nacht auf Sonntag ein etwa 100 Meter langer Abschnitt nahe der kleinen Ortschaft Jedenspeigen brach. Sofort ergossen sich die Wassermassen ungehindert Richtung Dürnkrut, wo Hunderte Helfer 24 Stunden lang gegen die Fluten angekämpft hatten. Doch das Wasser war stärker. Dienstagmittag stand bereits der halbe Ort unter Wasser.

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5.4.2006 17:23