Keine Überraschung bei EZB: Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 2,50 %
- Trichet zerstreut Erwartungen einer Erhöhung im Mai
Die Europäische Zentralbank (EZB) dreht vorerst nicht weiter an der Zinsschraube. Der EZB-Rat ließ am Donnerstag den entscheidenden Leitzins unverändert bei 2,5 Prozent. Die Entscheidung war allgemein erwartet worden. Überraschend signalisierte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zudem, dass im Gegensatz zur verbreiteten Einschätzung von Finanzbeobachtern auch im Mai nicht zwingend mit einer Zinserhöhung gerechnet werden muss. Die Wachstumsaussichten im Euroraum beurteilte er als gut.
Auffälligerweise vermied Europas oberster Währungshüter in der Pressekonferenz das Schlüsselwort "Wachsamkeit", mit dem er sonst die Finanzmärkte mit Hinweis auf Inflationsrisiken auf bevorstehende Zinsschritte einzustimmen pflegte. "Es ist wahr, Wachsamkeit wird in der einleitenden Erklärung nicht ausgerufen", stellte er klar. Mit der gewohnten Verklausulierung fügte Trichet hinzu: "Ich würde sagen, dass die gegenwärtige hohe Wahrscheinlichkeit, die einer Zinserhöhung bei unserer nächsten Sitzung gegeben wird, nicht dem Gefühl des Rates entspricht."
Zugleich trat Trichet Spekulationen entgegen, die EZB werde bei ihrer übernächsten Ratssitzung im Juni die Zinsen nicht erhöhen, nur weil sie nicht wie üblich in Frankfurt, sondern diesmal in Madrid stattfinde. Auch diese Einschätzung "entspricht nicht dem Gefühl des Rates", erklärte er.
Analysten hatten darauf hingewiesen, dass die EZB bisehr noch nie die Zinsen erhöht hat, wenn die Ratssitzung im Ausland stattfand. Zwei Mal im Jahr trifft sich der EZB-Rat turnusmäßig nicht am Frankfurter Stammsitz, sondern in der Hauptstadt eines Mitgliedslandes, um damit ihren europäischen Charakter zu unterstreichen. Diesmal ist Madrid an der Reihe.
Von den nachlassenden Zinsängsten profitierte der Frankfurter Aktienmarkt. Der DAX schoss nach den Äußerungen Trichets um 30 Punkte nach oben, gab nach Gewinnmitnahmen aber wieder nach.
In einer Umfrage der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswire hatten nur zwei der befragten 52 Analysten mit einer Zinserhöhung bereits am (heutigen) Donnerstag gerechnet. 27 Befragte erklärten, sie hielten zwei weitere Zinserhöhungen bis Jahresende für wahrscheinlich. 20 davon rechneten mit einem Leitzins von 3,25 Prozent oder höher bis zum Jahresende.
Der Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB) begrüßte die Entscheidung der EZB. Angesichts der zu erwartenden Konjunktur- und Inflationsperspektiven sei eine deutliche Straffung der Geldpolitik im Euroraum nicht erforderlich. Insgesamt rechnen die VÖB-Chefvolkswirte nur mit einem moderaten Anstieg der Notenbankzinsen im Euroraum auf drei Prozent zur Jahresmitte und keinen weiteren Erhöhungen in der zweiten Jahreshälfte.
(apa/red)
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