Dienstag, 4. April 2006

Europa droht nächster Gas-Streit: Russland will Preis nun auch für Weißrussen erhöhen

  • Demnächst startet Verhandlung für Lieferung ab 2007
  • Vor wenigen Monaten kräftige Erhöhung für Ukraine

Wenige Monate nach dem Gasstreit mit der Ukraine hat der russische Gazprom-Konzern auch für Weißrussland eine drastische Preiserhöhung angekündigt. Der Preis für das Erdgas solle mindestens verdreifacht werden, sagte Gazprom-Vizechef Alexander Rjasanow am Dienstag in Moskau, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Derzeit zahle Weißrussland knapp 47 Dollar (39,0 Euro) pro 1.000 Kubikmeter (m3) Erdgas. Der Gazprom-Manager nannte keinen Termin für die Erhöhung. Demnächst soll über die Preise für die Gaslieferungen im Jahr 2007 verhandelt werden.

Die wirtschaftlich schwachen kleineren Nachbarländer sind auf günstiges russisches Gas angewiesen. Mit der Ukraine war Anfang dieses Jahres ein heftiger Streit entbrannt, weil Russland den Gaspreis von 50 auf 230 Dollar (derzeit 191 Euro) je 1.000 m3 erhöht hatte.

In dem wochenlangen Konflikt drehte der staatliche Gazprom-Konzern der Ukraine zeitweise den Gashahn zu. Als Folge des Streits kam auch in Westeuropa zum Teil weniger Gas an. Die beiden Länder einigten sich schließlich auf einen Preis von 95 Dollar (derzeit 78,8 Euro) je 1.000 m3.

Die drastische Preiserhöhung für die Ukraine wurde auch als Druckmittel Moskaus gegen den westlich orientierten Präsidenten Viktor Juschtschenko gesehen. Weißrussland wird dagegen seit Jahren von dem autoritären und Moskau-freundlichen Alexander Lukaschenko regiert, der am Samstag für eine dritte Amtszeit vereidigt werden soll.
(apa)

4.4.2006 10:21