Dienstag, 4. April 2006

Immer mehr Menschen haben keine Arbeit: 333.987 Österreicher im März ohne Job!

  • Über 60.000 Arbeitssuchende sitzen in Schulungen
  • 2005 waren um 3 Prozent weniger auf Jobsuche

Ein starker Anstieg bei den Schulungen ließ die Arbeitslosigkeit in Österreich im März leicht sinken - die Zahl der Arbeitssuchenden ist allerdings weiter gestiegen. Offiziell waren 271.557 Menschen ohne Job, das waren um 0,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Rechnet man die in Schulung befindlichen Personen zu den offiziellen Arbeitsmarktdaten dazu, stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 3 Prozent auf insgesamt 333.987 Arbeitslose, geht aus den vom Arbeitsmarktservice (AMS) veröffentlichten Daten hervor.

Die nationale Arbeitslosenquote betrug im März 7,8 Prozent, um 0,1 Prozent weniger als der Vorjahreswert. In sechs Bundesländern war die Arbeitslosigkeit rückläufig, lediglich in Kärnten, Tirol und Oberösterreich ist sie Ende März 2006 im Jahresvergleich angestiegen. Mit 72.904 haben 26,8 Prozent der vorgemerkten Personen eine Einstellungszusage für einen neuen Arbeitsplatz. Nach der vorläufigen Meldung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger betrug Ende März die Zahl der unselbstständig Beschäftigten 3,223.013 (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse), um 37.119 oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den offenen Stellen hat die positive Entwicklung weiter angehalten. Ende März waren beim AMS mit 28.673 Jobs um 13,0 Prozent oder um 3.297 offene Stellen mehr gemeldet als im Jahresvergleich. Die Jugendarbeitslosigkeit sank im März im Jahresvergleich um 3,0 Prozent auf 40.593 Jobsuchende. 4.777 Lehrstellensuchende standen 3.400 gemeldeten offenen Lehrstellen gegenüber. Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei den Älteren, nämlich sowohl bei den 50- bis 54-Jährigen (+1,2 Prozent) als auch bei den 55- bis 59-Jährigen (+3,5 Prozent), gesunken ist die Arbeitslosigkeit bei den über 59-Jährigen.

Die Arbeitsmarktdaten wurden unterschiedlich interpretiert: Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) sieht dank des "285-Millionen-Qualifizierungspakets 'Unternehmen Arbeitsplatz' sowie des zuletzt beschleunigten Wirtschaftswachstums eine weitere Entspannung am Arbeitsmarkt. Durch die Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen der Regierung sei die Zahl der Personen in AMS-Schulungen auf 62.430 angestiegen, um 11.053 Personen (+21,5 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Keine Entspannung, sondern einen Anstieg der Arbeitslosen beklagen hingegen Gewerkschaft (ÖGB), Arbeiterkammer (AK) und Opposition. AK-Präsident Herbert Tumpel spricht von einem neuerlichen "negativen Rekordwert der Zweiten Republik". Die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze nehme ab, mehr Beschäftigung entstehe ausschließlich durch Teilzeitarbeit, von der die Menschen aber oft nicht leben können, kritisierte ÖGB-Interimspräsident Rudolf Hundstorfer.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures warf der Regierung vor, sie habe die Anzahl der Menschen ohne Job binnen eines Jahres um 9.976 Personen in die Höhe getrieben. Der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, sieht eine "Verhöhnung" der Arbeitslosen: Obwohl im März 2006 fast 10.000 Menschen mehr von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe abhängig waren als im März 2005 besitze Bartenstein den "unglaublichen Zynismus", die höchste Märzarbeitslosigkeit der 2. Republik als 'Entspannung am Arbeitsmarkt' darzustellen. (apa/red)

4.4.2006 10:15