Dienstag, 4. April 2006

Zahl der Schmuggelzigaretten nimmt immer
mehr zu: Schon 18% 'Tschick' illegal besorgt

  • Trafikanten beklagen Umsatzeinbußen von 480 Mio. €
  • Ware aus Slowenien, Tschechien, Ukraine und Ungarn

Wenig erfreuliche Zahlen zum Thema Zigarettenschmuggel präsentierte am Dienstag die Wirtschaftskammer (WKÖ). Laut einer Untersuchung sind 18,1 Prozent der in Österreich konsumierten Glimmstängel illegal ins Land gebrachte Ware. Den Trafikanten entgehe dadurch ein Umsatz von 480 Mio. Euro bzw. ein Verdienst von rund 62 Mio. Euro, beklagte Peter Trinkl, Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten in der WKÖ, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Von dem Anteil an nicht versteuerten Zigaretten könnten laut Trinkl "1.000 Trafikanten samt Mitarbeiter leben". Besonders hoch ist die Anzahl der geschmuggelten Rauchwaren in Wien (23,4 Prozent), gefolgt vom Burgenland (23,1), Oberösterreich (20,1), Niederösterreich (17,8), Tirol und Kärnten (je 16,3), Steiermark (15,8), Vorarlberg (11,6) und Salzburg (10,2).

Zigaretten aus Slowenien, Tschechien, Ukraine und Ungarn
Die meisten nicht in Österreich gekauften Zigaretten stammen nach Angaben der WKÖ aus Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn. Im Zuge der Untersuchung wurden 18.538 Zigarettenpackungen aus 473 Gemeinden ausgewertet. "Die österreichische Zollfahndung arbeitet sehr gut", lobte Trinkl. "Für die Zukunft brauchen wir aber einen koordinierten Aktionsplan gegen den Schmuggel."

Einer WKÖ-Umfrage zufolge wird Zigarettenschmuggel in Österreich immer noch als Kavaliersdelikt gesehen: 81 Prozent der 2.000 befragten Raucher können sich vorstellen, sich Zugang zu "billigeren" Zigaretten zu verschaffen - mit Vorliebe in grenznahen Shops oder über private Kanäle.

Vor allem Osten Deutschlands kämpft mit Schmuggel
Besonders dramatische Ausmaße hat der Schmuggel von Rauchwaren in den östlichen Bundesländern Deutschlands angenommen. Dort beträgt der Anteil illegal eingeführter Zigaretten 32,9 Prozent. "Die Beschränkung der steuerfreien Einfuhr auf 25 Stück sowie steigende Aufgriffe der Zollfahndung verhindern bisher solche Verhältnisse in Österreich", betonte Herwig Heller, Leiter der Betrugsbekämpfung im Finanzministerium.

Dass geschmuggelte Ware durchaus um ein Vielfaches gesundheitsgefährdender sein kann, belegt eine britische Untersuchung: Demnach enthalten unerlaubt importierte Zigaretten im Schnitt 160 Prozent mehr Teer, 133 Prozent mehr Kohlenmonoxid und 80 Prozent mehr Nikotin als die Originale.
(apa/red)

4.4.2006 10:06