Mittwoch, 12. April 2006

Transvestit Luxuria zieht ins Parlament ein:
Abgeordneter der altkommunistischen PRC

  • Mussolini verfehlte den Sprung ins Parlament
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Zum ersten Mal in der italienischen Geschichte zieht ein Transvestit in das römische Parlament ein. Die schillerndste Figur der italienischen Wahlkampagne hat den Sprung ins Parlament geschafft: Zu den neuen Abgeordneten, die ins neu gewählte römische Parlament ziehen, zählt auch Vladimir Luxuria alias Wladimiro Guadagno, der als Spitzenkandidat der altkommunistischen Partei Rifondazione Comunista (PRC) am Wahlkampf teilgenommen hat. Luxuria (lat.: "Wollust") wurde vor 40 Jahren als Mann geboren, lebt und kleidet sich aber wie eine Frau - wenn aber auch nur selten im schrillen Look einer Drag Queen.

Mit seinem Szenenamen ist Guadagno schon längst eine Ikone der Homosexuellenbewegung in Italien. Der bekannte Schauspieler und Komödiant kam als Quereinsteiger in die Politik: Rifondazione-Chef Fausto Bertinotti, überzeugte ihn und verschaffte ihm einen Spitzenplatz auf der Liste seiner Partei in Rom. "Ab heute kann man mich 'Frau Abgeordnete' nennen. Ich will dafür arbeiten, damit diejenigen, die sich von der Politik nicht repräsentiert fühlen, endlich eine Stimme haben", kommentierte Luxuria nach dem Wahlsieg.

Der Transvestit wurde im Wahlkampf des Öfteren zum Opfer einer Hasskampagne von Seiten mehrerer Rechtspolitiker. Die Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini, Alessandra Mussolini, ging bei einer TV-Show auf Luxuria los mit den Worten: "Lieber faschistisch sein als schwul!" Und Ex-Reformenminister Roberto Calderoli von der rechtspopulistischen Lega Nord sorgte sich um die sanitären Anlagen im Parlament. Nun werde dort wohl eine "dritte Sorte von Toiletten" gebraucht, merkte er bissig an.

In einem katholisch und oft von Machismo-Allüren geprägten Land reagiert der Transvestit gelassen. Er sei auf Ratlosigkeit eingestellt gewesen, aber "nicht auf solche persönlichen Beleidigungen", sagte Luxuria, im dezenten schwarzen Hosenanzug und sorgfältig geschminkt. "Meine Gegner dachten, dass ich mich ständig wie eine Drag Queen in Federboa und Perücke werfe und übertrieben schminke. Aber weil das nicht der Fall ist, weil ich mich normal kleide, sind sie fassungslos."

Zu seinem politischen Programm sagt das neue Aushängeschild der Kommunisten: "Ich will bei der Schaffung einer multiethnischen, multireligiösen und multisexuellen Gesellschaft mithelfen, und die Vielfalt als Wert und Möglichkeit, nicht als Bedrohung durchsetzen." So wolle er auch die Rechte von Homosexuellen verteidigen, aber sich auch auf keinen Fall darauf reduzieren lassen, betont Luxuria. "Ich treffe jeden Tag Frauen, Familienväter, Pensionäre, die an mich glauben."

Alessandra Mussolini verfehlt den Sprung ins Parlament
Für Alessandra Mussolini, Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini und Nichte der Schauspielerin Sofia Loren, haben sich die Parlamentswahlen als schwere Enttäuschung erwiesen. Die von ihr gegründete rechtsextreme Partei "Alternativa Sociale" musste sich mit 0,7 Prozent der Stimmen begnügen. Die 43-jährige Parteichefin verfehlte den Sprung in die Abgeordnetenkammer deutlich. Sie wird daher weiterhin den Posten einer Europa-Parlamentarierin in Straßburg besetzen.

Dabei hatte Alessandra Mussolini im Februar einen Wahlpakt mit Regierungschef Silvio Berlusconi abgeschlossen, um ins Parlament zu gelangen. Dank dieses Wahlpakts war Mussolini wieder in die Mitte-Rechts-Allianz zurückgekehrt, aus der sie im November 2003 ausgetreten war.

Mit Missmut hatte damals die Mutter von drei kleinen Kindern auf den Besuch ihres damaligen Chefs der Alleanza Nazionale Gianfranco Fini - heute Vizepremier und Außenminister - in Israel reagiert. Beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem entschuldigte sich Fini für die Rassengesetze, die das faschistische Regime Italiens 1938 eingeführt hatte. Daraufhin hatte Mussolini Finis Partei verlassen und die "Alternativa Sociale" gegründet. (apa)

12.4.2006 12:54