Freitag, 7. April 2006

Deutsche Maßnahmen gegen Vogelgrippe: Tötung von über 30.000 Tieren angeordnet!

  • Kein Ausfuhrverbot für deutsches Geflügel in Sicht
  • Massentierhaltung schuld an Ausbreitung des Virus?

Nach dem Ausbruch der Vogelgrippe auf einer Geflügelfarm in Wermsdorf bei Leipzig in Deutschland werden heute die Schutzmaßnahmen mit Hochdruck fortgesetzt. Die Behörden hatten am Donnerstag die Tötung von insgesamt 30.000 Stück Nutzgeflügel angeordnet. Nach der Vernichtung der 16.000 Tiere der Gänsezucht Wermsdorf Eskildsen wurde mit der Keulung von weiteren 14.000 Tieren begonnen. Betroffen sind 90 Betriebe in der Drei-Kilometer-Sperrzone.

Unterdessen suchen Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler- Instituts zusammen mit örtlichen Veterinären nach dem Ansteckungsweg. Das Virus H5N1 in der auch für den Menschen gefährlichen Asia-Variante war in einem Putenstall der Geflügelfarm nachgewiesen worden, obwohl die Tiere ständig im Stall waren. Die Experten halten einen Eintrag durch Wildvögel für wahrscheinlich.

Die in Sachsen erteilten Ausnahmen von der Stallpflicht für Geflügel werden unterdessen vorläufig zurückgenommen. Lediglich Laufvögel wie Strauße und im Zoo lebende Tiere dürfen laut sächsischem Krisenstab weiter im Freien gehalten werden. Landesweit wurden 60 Ausnahmen erteilt. Die Anordnung gilt zunächst bis zum 30. April.

Deutschlands Geflügelzüchter dürfen ihre Erzeugnisse weiter wie gewohnt exportieren. Ein generelles Ausfuhrverbot sei nicht in Sicht, hieß es bei der EU-Kommission in Brüssel. Lediglich der Handel mit Tieren aus einem festgelegten Umkreis um den Seuchenherd sei nach den EU-Regeln vorläufig verboten.

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger will nach einer repräsentativen Umfrage des ARD-DeutschlandTrends für die "Tagesthemen" weiterhin Geflügelprodukte konsumieren. 75 Prozent der Befragten gaben an, die Vogelgrippe werde keinen Einfluss auf die persönlichen Essgewohnheiten haben. Nur 19 Prozent wollen weniger Geflügelprodukte wie Hühnchenfleisch oder Eier essen. Drei Prozent haben die Absicht, den Verzehr dieser Produkte ganz einzustellen.

Tierschützer machen die industrielle Geflügelhaltung für die rasche weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe mitverantwortlich. "Wir müssen zurück zu kleinbäuerlichen Strukturen", sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, der "Berliner Zeitung" (Freitag). Es sei kein Zufall, dass die Vogelgrippe in Asien oder Europa meist in großen Mastbetrieben ausgebrochen sei. (apa)

7.4.2006 07:46
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