Mittwoch, 5. April 2006

Berlusconi sagt Solo-Auftritt im TV ab! Nach
heftigem Protest aus Oppositionsreihen!

  • Premier hätte mit Auftritt gegen Gesetz verstoßen
  • Medienkontrolle hätte Programm verdunkeln können

Nach vehementen Protesten aus den Oppositionsreihen hat der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi den geplanten Solo-Auftritt in einem seiner eigenen TV-Sender abgesagt. Der Medienzar und konservative Politiker wollte sich ohne seinen Herausforderer Romano Prodi den Fragen von Journalisten im Rahmen des Programms "Terra" stellen, das von seinem TV-Kanal "Canale 5" gesendet wird. Dabei hätte er gegen die italienischen Gesetze verstoßen, die in Wahlkampfzeiten eine strikte Chancengleichheit für die Parteien ("par condicio") vorsehen.

Berlusconi hatte seinen geplanten Auftritt bisher mit dem Argument verteidigt, die Chancengleichheit sei dadurch hergestellt, dass auch linke Journalisten dazu eingeladen seien. "Canale 5 hat mich und Prodi eingeladen. Prodi hat aber abgelehnt. Daraufhin hat Canale 5 beschlossen, einige linksorientierte Journalisten einzuladen, wie den Chefredakteur der kommunistischen Tageszeitung 'Liberazione', die mir Fragen stellen werden. Die Linke hat bisher auf eine Kommunikationsstrategie gesetzt, die sich für sie als erfolgreich erwiesen hat", betonte Berlusconi. Nachdem die Grünen das parlamentarische Gremium zur Medienkontrolle aufgerufen hatten, die Sendung mit Berlusconi zu verdunkeln, machte Berlusconi einen Rückzieher.

Die Linkspolitiker Piero Fassino und Francesco Rutelli, die ursprünglich als TV-Gäste zur Polit-Show "Matrix" eingeladen waren erklärten, dass sie nicht mehr in Programmen von Berlusconis TV-Sender Mediaset auftreten werden. Dies löste die scharfe Reaktion von Außenminister Gianfranco Fini und des Präsidenten der Abgeordnetenkammer Pier Ferdinando Casini aus, die ebenfalls an der Sendung als Vertreter der Regierungskoalition teilnehmen wollten.

Der Regierungschef klagt seit langem darüber, dass 80 Prozent aller Journalisten mit der Opposition sympathisierten und er dadurch benachteiligt werde. Zudem warf er Prodi einen Missbrauch der Chancengleichheit vor. Dieser weigert sich seit vergangener Woche, in Mediaset-Sendungen aufzutreten, weil diese einseitig seien. Dadurch verhindere Prodi auch seine eigenen Auftritte, erklärte Berlusconi.

"Ich finde es einen Skandal, dass der stärkste TV-Kanal im Land kein Fernsehduell zwischen den beiden Premierkandidaten organisieren kann", sagte der Präsident von Mediaset, Fedele Confalonieri, bei einer Pressekonferenz. Confalonieri - ein enger Jugendfreund Berlusconis - erklärte, Prodi weigere sich hartnäckig, seine Einladungen für einen TV-Auftritt anzunehmen. "Prodis Verhalten ist ein Anschlag auf die Informationsfreiheit im Lande", sagte Confalonieri.

Der Moderator der Sendung "Matrix", Enrico Mentana, versuchte die Polemik zu dämpfen. "Heute haben zu viele die Nerven verloren. Dabei sollte man kurz vor den Wahlen Ruhe bewahren", sagte der Starjournalist.

Angesichts knapper Umfragen und einer hohen Zahl unentschlossener Wähler ist der Wahlkampf in Italien immer schärfer geworden. Bei dem TV-Duell hatten sich Berlusconi und Prodi gegenseitig scharf angegriffen. Am Dienstag hatte der Premierminister jene Wähler als "Vollidioten" bezeichnet, die für die Linke wählen, was hitzige Reaktionen ausgelöst hatten. Mehrere Linkswähler klagten Berlusconi wegen Verleumdung. (apa/red)

5.4.2006 13:22