Dienstag, 4. April 2006

Bawag-Affäre belastet ÖGB: Laut Hundstorfer gab es schon "ein paar tausend Austritte"!

  • Ausgetretene Mitglieder werden persönlich kontaktiert
  • ÖGB-Chef denkt nicht an Klage gegen Verzetnitsch

Die Turbulenzen der vergangenen Wochen sind am ÖGB nicht spurlos vorübergegangen. Der neue ÖGB-Chef Hundstorfer bestätigte nun in einem Interview: "In den vorigen Wochen haben ein paar tausend Mitglieder ihren Austritt bekannt gegeben." Man bemühe sich jetzt alle zu kontaktieren: "Wie das endgültige Ergebnis ausschaut, kann ich beim besten Willen nicht sagen."

ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer denkt derzeit nicht an Klagen gegen seinen Vorgänger Fritz Verzetnitsch und Ex-Finanzchef Günter Weninger. "Nach jetzigem Stand" werde er nicht klagen, sagt der Präsident in einem "Standard"-Interview. Vizepräsident Karl Klein hatte davor erklärt, dass im Gewerkschaftsbund vereinsrechtliche Schritte gegen das in die BAWAG-Affäre involvierte Duo geprüft würden. Dabei soll es unter anderem um mögliche Schadenersatz-Forderungen gehen.

Zu seiner persönlichen Zukunft hielt Hundstorfer fest, dass er als Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten einen geschäftsführenden Obmann bekomme. Seine Funktion als Chef der Wiener Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter will der neue ÖGB-Präsident zurücklegen. Ob er aus Zeitgründen auch den Vorsitz im Gemeinderat abgibt, hat Hundstorfer noch nicht entschieden.

Teilgewerkschaften werden gestärkt
Im Fernseh-"Report" kündigte Hundstorfer an: "Die Teilgewerkschaften werden wahrscheinlich stärker werden." Dies hatten zuletzt auch die Christgewerkschafter gefordert. Hundstorfer betonte, die Teilgewerkschaften seien die Träger des ÖGB, dort finde das Kerngeschäft - Kollektivverträge, Rechtsschutz etc. - statt. Der ÖGB sei das Dach für gesellschaftspolitische Zukunftsfragen.

Der Dienstag vom FSG-Vorstand mit Unterstützung der Christgewerkschafter bis 2007 als geschäftsführender ÖGB-Präsident bestätigte Hundstorfer gestand zu: "Wir haben ein Vertrauensproblem. Wir haben ein Problem bei den Mitgliedern." Eine seiner wesentlichsten Aufgaben werde es deshalb sein, einen Reformprozess "effektiv in Bewegung zu bringen". Es sei notwendig, den ÖGB neu zu strukturieren. Vor allem für Frauen, Ich-Gesmbhs, Atypisch Beschäftigte oder Zeitarbeiter müsse der ÖGB Antworten finden. Hundstorfer zeigte sich zuversichtlich, dass man dann auch den Mitgliederschwund stoppen und auch wieder ein Plus erreichen könne.

Dass er ein Kandidat der Wiener SPÖ sei, wies Hundstorfer entschieden zurück. "Das stimmt überhaupt nicht", sagte Hundstorfer, der auch Vorsitzender des Gemeinderats und der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) ist. "Meine Basis ist die GdG."

Den Grundsatzbeschluss, bis zu 100 Prozent der BAWAG zu verkaufen, bekräftigte Hundstorfer. Der Beschluss "wird umgesetzt". Es gebe aber Überlegungen, ob der ÖGB einen Anteil behalten solle. Wie hoch der sein könnte, konnte der ÖGB-Chef nicht sagen. In die Verkaufsüberlegungen miteinbezogen werden soll auch das vom Betriebsrat geforderte Mitarbeiterbeteiligungsmodell. Er könne das zwar nicht versprechen, aber man werde das "sehr genau prüfen". (apa/red)

4.4.2006 22:02