Erschreckende Analyse ergibt: 46.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen in Österreich
- Wien mit 44 % Betreuungsquote am besten versorgt
- Handlungsbedarf auch bei Öffnungszeiten
·INFO-GRAFIK:
Kinder -Betreuungsquoten in Ö nach Altersgruppen
·Kindergeld: Zahl der Bezieher stagniert
August: Stabiler Wert bei knapp 165.000 Beziehern
In Österreich fehlen insgesamt 46.000 Kinderbetreuungsplätze. Dies ergab eine Analyse, die im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) erstellt und heute, Freitag, in Wien von Studienautor Michael Fuchs und Sozialforscher Bernd Marin im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert wurde. In Wien ist die Betreuungsquote durchgängig am höchsten, der Westen Österreichs hinkt stark hinterher. Die täglichen Öffnungszeiten der Kinderbetreuungsstätten geben zusätzlich keinen Anlass zu Optimismus.
Anlass der Studie war laut Marin, Leiter des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, sowie die Chancengleichheit von Frauen und Männern auf dem Arbeitsplatz zu erhöhen. Zudem solle die Arbeitsmarkt-Ressource "Frau" besser ausgeschöpft werden, der Wiedereinstieg in den Beruf solle erleichtert werden. Weiters müsse der niedrigen Geburtenraten mit einem "Zukunft-frohen Klima" entgegengesteuert werden.
In Österreich gibt es derzeit rund 1,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Laut Zahlen aus dem Jahr 2005 ist die Betreuung durch Krippen, Kindergärten und Horte in Wien mit 44 Prozent betreuter Kinder unter 14 Jahren durchgängig die beste. Vorarlberg liegt mit einer Quote von 28 Prozent bereits mit Respektabstand auf Rang zwei, die Steiermark und Tirol bilden mit lediglich 21 Prozent gemeinsames Schlusslicht.
Besonderer Handlungsbedarf ist laut Fuchs bei dem Kapitel Öffnungszeiten gegeben. Auch hier zeichnen die Zahlen für die Bundeshauptstadt das beste Bild: 90 Prozent der Krippen und Horte sowie 80 Prozent der Kindergärten haben zumindest bis 17 Uhr geöffnet und ermöglichen damit eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein düstereres Bild herrscht jedoch in der Steiermark und im Westen Österreichs. So bieten etwa in Tirol 59 Prozent der Kindergärten im besten Falle Betreuung bis 14 Uhr an.
Problematisch ist zusätzlich die hohe Zahl der Schließungstage von Kinderbetreuungsstätten pro Jahr. Besonders Kindergärten geben in diesem Zusammenhang mit durchschnittlich 42 Tagen im Jahr Anlass zu Besorgnis. Vorbildfunktion hat auch hier wieder Wien, das größte Sorgenkind ist Vorarlberg, wo 15 Prozent der Kindergärten und 31 Prozent der Horte mehr als 14 Wochen im Jahr geschlossen bleiben.
Im internationalen Vergleich hinkt Österreich hinterher. Besonders im Bereich der unter Dreijährigen liegt die Alpenrepublik mit lediglich zwölf Prozent im unteren Drittel und hat damit in der Halbzeit erst rund ein Drittel des EU-Barcelona-Ziels für 2010 erreicht. Spitzenreiter im internationalen Ranking sind die skandinavischen Länder und auch Frankreich.
Christian Friesl, Bereichsleiter Gesellschaftspolitik in der IV, will basierend auf diesen Ergebnissen die Rahmenbedingungen in Österreich verbessern. So sollen die Kinderbetreuungsplätze mit Hauptaugenmerk auf die unter Dreijährigen ausgebaut werden. Friesl schätzt die Mehrkosten auf 300 Mio. Euro. Zudem plädiert er für Umschichtungen von Geldleistungen für Familien hin zu Sachleistungen. In diesem Zusammenhang könnte er sich ein "Voucher-System" vorstellen, das es Eltern ermöglicht, die benötigten Hilfestellungen spezifisch zusammenzustellen. All diese Ziele will die IV im nächsten Regierungsprogramm verwirklicht sehen. (apa)
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