Mittwoch, 5. April 2006

Über Gleichstellungspolitik: Haubner
legte ihren ersten "Männerbericht" vor

  • Sozialministerin will "Männer mit ins Boot holen"

Den ersten Österreichischen Männerbericht hat Sozialministerin Ursula Haubner (B) auf einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Die "Weltpremiere" beinhaltet die wichtigsten Aspekte einer genderorientierten Gleichstellungspolitik und gibt Aufschluss über Partnerschaft heute, Väterlichkeit heute und männliche Identität im 21. Jahrhundert. Das Hauptanliegen Haubners ist die Einbindung der Väter in die Familie: "Männer aus der Familienpolitik auszuklammern, würde bedeuten, Familie nach wie vor nur den Frauen zuzurechnen."

Der Männerbericht sei durch die positive Weiterentwicklung bei der Frauenpolitik notwendig geworden, erklärte die Ministerin. Denn der Einstieg der Frauen ins Berufsleben sowie deren Tätigkeit in der Familie hätten zu einer neuen Form der Partnerschaft geführt. Deshalb sei es "notwendig und legitim, auch die Männer an Bord zu holen", stellte Haubner klar.

Ein Schwerpunkt des Berichts befasst sich mit geschlechts-sensibler Erziehung. Laut dem Studienautor Peter Ballnik, Psychotherapeut am Institut für psychosoziale Gesundheit in Salzburg, werden Buben schneller als "verhaltensauffällig" geschildert, was jedoch darauf beruhe, dass sie im Vergleich zu Mädchen mehr Bewegung und auch mehr klare Strukturen benötigen. Dies müsse im täglichen Umgang berücksichtigt werden und sollte auch in Kindergärten und Schulen zum Tragen kommen.

Der Männerbericht dient laut Haubner aber nicht nur der Bewusstseinsbildung, sondern fungiert auch als Basis für die Entwicklung konkreter Maßnahmen zur Hilfestellung. So will die Ministerin ähnlich des im April stattfindenden "Girl Day", an dem für Frauen untypische Berufe vorgestellt werden, demnächst eine ähnliche Einrichtung für Burschen ins Leben rufen. Vorgestellt werden sollen beispielsweise Berufe im Sozial- und Bildungsbereich.

Weiters will Haubner die Beratungsstellen für Männer von derzeit etwa 370 Anlaufstellen weiter ausbauen. Zudem müsse daran gearbeitet werden, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. In diesem Zusammenhang verwies die Sozialministerin auf die Möglichkeit der Elternteilzeit, die seit Mitte 2004 gegeben ist. Der Prozentsatz der Väterkarenz sei seit 2000 auch stark angestiegen, zeigte sie sich erfreut: Von damals rund 1.400 Vätern auf zirka 5.800 im März 2006. Auch neue Anreize beim Kinderbetreuungsgeld, ein Männerratgeber und eine Männer-DVD ("Was Männer bewegt") seien erarbeitet worden.

Da die Scheidungsrate in Österreich bei 46,1 Prozent liegt und die leidtragenden in dieser konfliktreichen Situation zumeist die Kinder sind, verwies Haubner auf unterstützende Maßnahmen in diesem Bereich. So wurden etwa so genannte "Besuch-Cafes" eingerichtet, die Eltern eine entspannte Übergabe des Kinders an den anderen Elternteil ermöglicht. Auf diesem Wege soll gewährleistet werden, dass Kinder nicht auf einen Elternteil verzichten müssen, so Haubner.

Tatkräftige Schützenhilfe erhielt die Sozialministerin von dem Starwinzer Leo Hillinger. Der zweifache Vater pries die Vorzüge der Vaterschaft an und verwies auf das "unfassbare Gefühl, wenn man sich mit Kindern beschäftigt".

Der Männerbericht beinhaltet die Aktivitäten des Ministeriums sowie die Forschungsergebnisse der männerpolitischen Grundsatzabteilung des Sozialressorts. Diese Abteilung wurde im Jahr 2001 vom Haubners Vorgänger, Sozialminister Herbert Haupt (B), eingerichtet, und brachte ihm massive Kritik ein. Ähnlich dem Frauenbericht - der letzte ist allerdings seit dem Vorjahr überfällig - soll der Männerbericht künftig periodisch erscheinen. Der nächste Bericht ist für 2011 geplant.

Kritik von SPÖ und Grünen
SPÖ und Grüne können dem Männerbericht nicht viel abgewinnen. Was "als Weltpremiere hochgejubelt wird, ist nichts weiter als die Komprimierung" der bisher erschienenen Studien der Männerabteilung, kritisierte SP-Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Die Familiensprecherin der Grünen, Sabine Mandak, forderte unterdessen den "längst überfälligen Bericht zur Situation von Frauen in Österreich" ein.

Heinisch-Hosek bemängelte zudem, dass die politischen Handlungsempfehlungen in dem Bericht nur äußerst kurz abgehandelt wurden. Auch würden, um einen gegenderten Männerbericht zu erstellen, die nötigen Vergleichsdaten eines Frauenberichts fehlen. Für die SPÖ-Frauensprecherin handelt es sich daher bei dem Bericht um "viel beschriebenes Papier ohne Substanz, bei dem es sich lediglich um einen traurigen Versuch der BZÖ-Image-Aufpolierung handelt".

Gespannt zeigte sich Heinisch-Hosek über die Ankündigung Haubners bezüglich der neuen Anreize beim Kinderbetreuungsgeld. Dennoch möchte die SPÖ-Gleichbehandlungssprecherin ehestmöglich Auskunft über die Kosten des Männerberichts, der für sie "reine Geldverschwendung" ist: "Bis jetzt habe ich keine Antwort darauf erhalten."

Mandak kritisierte indes, dass die Regierung die Frauen im Stich lasse. Nicht die Männer müssten "ins Boot geholt" werden, "die sitzen nämlich schon drin. Es sind die Frauen die hinterher schwimmen", sagte die Grüne Familiensprecherin. Der "längst überfällige" Frauenbericht würde belegen, "dass sich die Lage der Frauen auf dem Arbeitsmarkt oder beim Einkommensvergleich dramatisch verschlechtert hat", so Mandak.

Ein weiterer Kritikpunkt der Grünen betrifft die im Männerbericht angesprochene schwierige Situation von Männern nach einer Scheidung. In diesem Zusammenhang forderte Mandak, dass Hilfestellungen "Kinder, Mütter und Väter berücksichtigen", da eine Trennung für alle Beteiligten eine schwierige Situation darstelle. (apa/red)

5.4.2006 13:45