Samstag, 1. April 2006

ÖGB-Protest in Wien: Unmut über niedrige Sozialstandards macht sich bei uns breit

  • Knapp ene Million atypisch Beschäftigte in Österreich
  • Ruf nach sozialrechtlichen Mindesstandards wird laut

Nicht nur in Frankreich - auch in Österreich gibt es derzeit Aufbegehren gegen die Situation der Jugend am Arbeitsmarkt: Unter dem Motto "Niedrige Sozialstandards + geringe Entlohnung = atypische Beschäftigung" machten junge Menschen in der Wiener Innenstadt auf die Probleme der laut Gewerkschaft knapp eine Million atypisch Beschäftigten in Österreich aufmerksam. Organisiert wurde der Protest von der Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) anlässlich des ersten europäischen Praktikanten-Aktionstags.

Neben den katastrophalen Sozialstandards und der geringen Entlohnung, denen atypisch Beschäftigte ausgesetzt sind, werde auch noch der Druck auf "normal" Beschäftigte erhöht und Lohndumping verursacht, lautete die Kritik der ÖGJ. Sie forderte daher unter anderem die volle Einbeziehung Atypischer in das Arbeitnehmerschutzrecht sowie deren kollektivrechtliche Absicherung. Im Forderungskatalog enthalten war auch ein einheitlicher Sozialversicherungssatz für alle Beschäftigungsformen unter voller Einbeziehung in die Arbeitslosen- und Pensionsversicherung.

Mit dem Ruf nach sozialrechtlichen Mindeststandards griffen die Gewerkschafter eine Forderung der europäischen Jugendvertreter auf, die sich beim jüngsten Jugendministertreffen (29. und 30. März) in Bad Ischl für Mindestlöhne und rechtlich begründete Arbeitsverträge ausgesprochen hatten. Zeitgleich mit der Aktion in Wien fanden in mehreren Europäischen Hauptstädten Proteste und Kundgebungen statt.

Gemeinsames "Logo" der Aktion waren "weiße Masken", welche den Status von Praktikanten und prekär Beschäftigten symbolisieren: Die Mitarbeiter, die keinen Namen, kein Gesicht haben und ständig wechseln. (apa)

1.4.2006 13:54