Montag, 8. Mai 2006

Rettberg-Prozess geht weiter: Verfahren wegen betrügerischer Krida wird fortgesetzt

  • Erstes Urteil könnte schon am Donnerstag fallen
  • Plus: Aufstieg & Fall des "Mr. Libro" zum Durchklicken

Heute wird im Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen den ehemaligen Libro-Generaldirektor Andre Rettberg und zwei mitangeklagte Wirtschaftsanwälte, die ihn rechtsfreundlich beraten hatten, fortgesetzt. Sie sollen laut Anklage dazu beigetragen haben, Rettbergs Vermögenverhältnisse seinen Gläubigern gegenüber zu verschleiern, nachdem die börsenotierte Buch- und Papierhandelskette in finanzielle Turbulenzen geraten war. Alle drei Beschuldigte bekennen sich zu diesen Vorwürfen "nicht schuldig".

Rettberg will weder - wie von Staatsanwalt Johann Fuchs behauptet - eine Firmenbeteiligung von 4,4 Mio. Euro verheimlicht noch ein Wertpapierdepot von knapp 14.000 Euro und Grundstücks-Besitz verschwiegen haben. Heute hat Richterin Birgit Borns zu diesem Thema mehrere Banken-Vertreter als Zeugen geladen. Am Mittwoch sollen unter anderem Geschäftspartner Rettbergs gehört werden. Sollten die Verteidiger keine weiteren Beweisanträge einbringen, könnte das Verfahren gegen den früheren Libro-Chef am Donnerstag zumindest in erster Instanz abgeschlossen werden.

Die 300 Mio. Euro-Pleite der Buch- und Papierhandelskette aus dem Jahr 2002 wird frühestens 2007 strafrechtlich aufgearbeitet. "Mit dem Schluss der gerichtlichen Voruntersuchung zu diesem Themenkomplex ist nicht vor Herbst zu rechnen", so Werner Nussbaumer, Leitender Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.

Vor allem ist noch das Gutachten des Buchsachverständigen ausständig. Sobald dieses vorliegt, will die Anklagebehörden ihr weiteres Vorgehen festlegen. Im Fall einer Anklageerhebung dürfte der eigentliche Libro-Prozess sicher erst 2007 starten.

(apa/red)

8.5.2006 20:32