Donnerstag, 30. März 2006

"Siemens in neue Liga katapultiert": Chefin Ederer über die ersten 100 Tage im Konzern

  • NEWS: Was sie nach VA-Tech-Fusion vorhat
  • Siemens Österreich bald mit mehr Kompetenzen?

Ederer macht Tempo. Die neue Siemens-Chefin im NEWS-Interview über ihre ersten 100 Tage an der Firmenspitze und ihre Pläne nach der VA-Tech-Fusion.

NEWS: Sie sind seit Ende des Vorjahres Vorstandsvorsitzende des Industriegiganten Siemens Österreich. Ihre bisherige Bilanz?

Ederer: Es läuft eigentlich alles im grünen Bereich. In den von uns belieferten Industriesparten zieht die Konjunktur an, die Auftragslage von Siemens Österreich ist sehr gut.

NEWS: Bevor Sie zur Generaldirektorin berufen wurden, waren Sie einfaches Mitglied des Siemens-Vorstandes. Gab es in Ihrem neuen Job bislang Überraschungen?

Ederer: Überraschend für mich war, dass es in dieser Führungsposition keine einzige Sitzung und keinen einzigen Termin gibt, wo man sich ausrasten kann. Überall wo ich bin, muss ich entweder den Vorsitz führen oder irgendeine Rolle spielen. Als Vorstandsmitglied hingegen hat man manchmal doch die Chance, einfach nur zuzuhören. Jetzt muss ich immer voll konzentriert sein. Das war für mich doch überraschend, um wie viel intensiver das alles abläuft. Ich war am Anfang jedenfalls baff. Überall wo ich hingekommen bin, haben sie nur auf mich gewartet. Aber es ist gut auszuhalten, es geht mir gut.

NEWS: Ihre Vision für Siemens Österreich?

Ederer: Es gibt zwei Megatrends. Der eine ist die Demografie, die Alterung der Gesellschaft. Der gesamte Siemens-Konzern - und damit auch wir in Österreich - sucht nach Lösungen für die in diesem Zusammenhang auftretenden Probleme. Wir arbeiten etwa an Systemen, die eine medizinische Grundüberwachung via Breitbanddatenleitung ermöglichen. Der zweite Megatrend ist die Urbanisierung. Daraus ergibt sich die Frage, wie Ballungsräume besser organisiert werden können, wobei auch hier neue Breitbandinstallationen der Schlüssel für viele Lösungen sind. Die Stadt Wien hat hier eine entsprechende Initiative bereits eingeleitet.

NEWS: Eine der Kernkompetenzen von Siemens Österreich innerhalb des gesamten Konzerns ist die Verantwortung für sieben Staaten in Zentral-und Osteuropa. Wird das so bleiben, oder werden sich diese Länder Zug um Zug verselbständigen?

Ederer: In den nächsten Jahren könnten möglicherweise sogar noch bis zu drei Länder dazukommen. Wobei mittelfristig in allen von uns betreuten Staaten eigene Kompetenzzentren entstehen werden, um das Wachstum weiter anzukurbeln. Siemens Österreich wird aber auch in Zukunft eine starke Rolle spielen, weil gewisse Verantwortungen langfristig in Wien gebündelt bleiben. Ein Mix, der für Siemens Österreich auch so etwas wie eine Absicherung ist.

NEWS: Sollte die Ost-Rolle von Siemens Österreich weiter gestärkt werden - welche Länder könnten noch von Wien aus betreut werden?

Ederer: Ich meine, dass in Summe zehn Länder, also noch drei weitere, optimal wären. Wobei es natürlich auch darauf ankommt, wie groß diese Märkte sind.

NEWS: Kommt die Ukraine dafür infrage?

Ederer: Dort kommt es möglicherweise zu Veränderungen. Das ist aber noch in Diskussion. In der Münchner Zentrale - der derzeit die Ukraine untersteht - können sich einige Bereiche jedenfalls vorstellen, Kompetenzen nach Wien zu verlagern. Möglicherweise werden entsprechende Aktivitäten auch Schritt für Schritt gesetzt.

Lesen Sie das ganze Interview mit Brigitte Ederer im aktuellen NEWS!

30.3.2006 10:06