Donnerstag, 30. März 2006

Nach Viertefinale in der CL: Adriano und Schewtschenko im Wechselbad der Gefühle

  • Inter-Brasilianer nach 2:1-Sieg vs. Villarreal gefeiert
  • Milans Ukrainer gilt nach 0:0 als großer Verschwender

Einer ungeschriebenen Regel zu Folge werden Stürmer an ihren Toren gemessen. Die Torjäger der Mailänder Topklubs mussten das am Mittwoch in der europäischen Fußball-Champions-League am eigenen Leib erfahren. Während Adriano im blau-schwarzen Inter-Dress beim 2:1-Heimsieg gegen Villarreal gefeiert wurde, war Andrej Schewtschenko für die italienischen Medien der Buhmann von Milans 0:0 in Lyon. "Andrej Schewtschenko - der große Verschwender", schrieb "La Gazzetta dello Sport" in ihrer Donnerstag-Ausgabe.

Dreimal scheiterte der ukrainische Stürmer beinahe kläglich am starken Lyon-Keeper Gregory Coupet und zeigte sich nach dem Spiel kleinlaut. "Ich kann nicht immer viele Tore machen und wir nicht immer gewinnen", meinte der 29-Jährige, immerhin erfolgreichster Torschütze des Vorjahresfinalisten in der laufenden CL-Saison. Da auch sein Sturmpartner Alberto Gilardino und der später für diesen eingewechselte Filippo Inzaghi blass blieben, war die Kritik im italienischen Blätterwald laut. "Der Show-Angriff blieb in Lyon stecken", so "Corriere della Sera".

Allen Kritikern zum Trotz zeigte sich AC-Trainer Carlo Ancelotti nach der Nullnummer zufrieden. "Nun müssen wir das Duell eben zu Hause entscheiden und die Fans uns den großen Schub geben", forderte er nach dem Spiel auch von den kritischen Milan-Fans Unterstützung ein. Sein Gegenüber Gerard Houllier ortete hingegen "zu viel Respekt" als Grund dafür, dass Lyon zum erst dritten Mal in den jüngsten 45 Spielen ohne Torerfolg blieb. "In den ersten 20 Minuten habe ich meine Mannschaft nicht wiedererkannt, sie hat wie eingefroren gewirkt."

Für das Rückspiel am 4. April versprach der Franzose jedenfalls eine klare Leistungssteigerung. "Wir werden 100 Prozent geben und wesentlich besser spielen. Ich glaube weiter, dass Lyon erstmals in der Klub-Geschichte ins Semifinale kommen kann", schickte der Erfolgscoach eine Warnung Richtung Milan. Dem Meister, der bereits seit September 2004 kein Spiel in der Millionenliga mehr verloren hat, reicht bereits ein 1:1 zum Aufstieg.

Wie eine Auferstehung war das Spiel gegen Villarreal hingegen für den brasilianischen Inter Mailand-Stürmer Adriano. Erstmals nach vier Monaten Ladehemmung traf der Teamstürmer der "Selecao" wieder im Europa-Cup und wahrte damit die Chance der Blau-Schwarzen, 2006 doch noch einen Titel zu holen. "Adriano und Martins - was für eine Aufholjagd nach der frühen kalten Dusche", fand "La Gazzetta". Nach nur 46 Sekunden ging das Überraschungsteam aus Spanien durch einen Abstauber von Diego Forlan 1:0 in Führung, Adriano (7.) und der eingewechselte Obafemi Martins (54.) brachten 60.000 Fans in San Siro doch noch zum Jubeln. "Mit diesem Sturm fühle ich mich noch sicherer, dass wir es schaffen", meinte Klubchef Massimo Moratti.

CL-Debütant Villarreal, der erst im Viertelfinale die erste Niederlage kassierte, baut hingegen auf das Heimspiel am 5. April. "Es ist zwar immer schlecht zu verlieren. Aber das Weiterkommen entscheidet sich nun bei uns daheim", meinte Trainer Manuel Pellegrini. Auch Spaniens Zeitungen sind vor allem dank des wichtigen Auswärtstores optimistisch. "Villarreal erlitt die erste Niederlage, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende", urteilte "Marca" und "El Pais" schrieb: "Villarreal hält sich das Tor zum Halbfinale offen."

(apa/red)

30.3.2006 16:29