In Konkurs-Gefahr? Sturm Graz kostet verlorener Osim-Prozess rund 350.000 Euro
- Kartnig stellt klar: "Derzeit haben wir das Geld nicht"
- Präsident setzt weiter auf Kompromiss mit Ex-Trainer
·Sturm muss Osim 173.000 Euro zahlen
Gericht spricht Betrag wegen "Mobbings" zu
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Entlassung rechtswidrig: Fix-Gehalt bis Ende 2007
Der verlorene Prozess mit dem ehemaligen Erfolgstrainer Ivica Osim kommt den österreichischen Fußball-Bundesligisten SK Sturm Graz teuer zu stehen. Insgesamt rund 350.000 Euro muss der Klub von Präsident Hannes Kartnig an Abfertigungsanspruch, Restgeldzahlungen, Zinsen, Prozesskosten und Lohnnebenkosten zahlen, nachdem der Oberste Gerichtshof in letzter Instanz dem Langzeit-Coach Recht gegeben hat, erklärte Osim-Anwältin Doris Braun am Donnerstag. Ein Brocken, der Sturm in Konkurs-Gefahr bringt, gestand Kartnig.
Kartnig setzt auch nach dem rechtskräftigen Urteil gegen seinen Verein weiterhin auf einen Kompromiss mit Osim. "Ich hoffe, dass er Sturm nicht umbringt", so Kartnig im APA-Gespräch. Er wolle nun ein persönliches Gespräch mit Osim, der immer betont habe, dass es ihm nicht ums Geld gehe. Er hoffe deshalb, dass Osim die erstrittenen rund 350.000 Euro der Vereinsjugend zur Verfügung stellt.
"Menschlich ist er in Ordnung", streute Kartnig seinem Ex-Trainer Rosen. Er sei von Juristen aufgewiegelt worden und wisse, dass es sich bei der ihm zugesprochenen Summe um "geschenktes Geld" handle. Schließlich sei der Spruch des Obersten Gerichtshof "ein krasses Fehlurteil", das mit "juristischen Spitzfindigkeiten" erstritten wurde, wetterte Kartnig.
Der Richterspruch gibt Kartnig jedenfalls zu denken. "Nun muss jeder Sportfunktionär nachdenken, ob er noch für den Sport arbeiten kann", betonte er. Ob er persönlich die Konsequenzen ziehe und zurücktrete, mache er nun vom Echo Osims auf sein Gesprächsangebot abhängig.
Das Urteil treffe Sturm in einer Phase, in dem es dem Klub finanziell sehr schlecht gehe. "Momentan haben wir das Geld nicht", stellte der Präsident klar. Bestehe Osim darauf, "vom Millionär zum Multimillionär" zu werden, müsse man gegebenenfalls bei potenziellen Sponsoren betteln gehen.
Ob Kartnigs Hoffnung erfüllt wird, dass der ehemalige Erfolgstrainer die erstrittenen 350.000 Euro nicht annimmt, dürfte zumindest fraglich sein. Laut dessen Anwältin Doris Braun denke Osim nicht daran, darauf zu verzichten.
Osim war am 14. September 2002 nach acht Jahren als Coach zurückgetreten. Als Grund dafür gab der Bosnier Beleidigungen und Mobbing von Kartnig in Richtung seiner Person an. In erster Instanz war die Klage im Juli 2004 wegen eines Formalfehlers abgewiesen worden, im Dezember 2004 allerdings wurde Osim in zweiter Instanz Recht gegeben. Nun bestätigte der Oberste Gerichtshof dieses nun rechtskräftige Urteil, wonach Sturm 173.822 Euro an Abfertigung und Restgeldzahlungen (aus der Zeit zwischen seiner Kündigung und seinem Wechsel zu JEF United nach Japan im Jänner 2003) leisten muss.
Dazu kommen ca. 100.000 Euro an Zinsen und Prozesskosten. Diese rund 270.000 Euro sind innerhalb von zwei Wochen zu zahlen, sonst wird es laut Braun einen Exekutionsantrag gegen den Verein geben. Fällig sind zudem zwischen 60.000 und 80.000 Euro Lohnnebenkosten. "Ich freue mich über das Urteil, damit ist meine Reputation wieder hergestellt. In Zukunft werden Herren im Fußball-Geschäft mit ihren Äußerungen vorsichtiger sein", erklärte Osim laut seiner Anwältin.
Der Bosnier Osim, der seit Jänner 2003 in der japanischen J-League bei JEF United arbeitet, war von Juni 1994 bis September 2002 bei Sturm engagiert und holte in dieser Zeit mit den Grazern zwei Meistertitel und drei Cupsiege. Außerdem führte der frühere jugoslawische Teamchef die Steirer dreimal in die Champions League.
(apa/red)
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