Samstag, 1. April 2006

Nach 82 Tagen Geiselhaft Irak verlassen: US-Geisel Carroll ist in Ramstein gelandet

  • Amerikanerin auf US-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz
  • Journalistin wurde zu Propaganda gezwungen

Zwei Tage nach ihrer Freilassung aus irakischer Geiselhaft ist die US-Journalistin Jill Caroll auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz gelandet. Von dort aus sollte die 28-Jährige nach Frankfurt am Main gefahren werden, wo ihr Flug nach Boston startet. Carroll war am Donnerstag nach 82 Tagen Geiselhaft von ihren Entführern freigelassen worden.

Die freie Mitarbeiterin des Magazins "Christian Science Monitor" war am 7. Jänner in Bagdad auf dem Weg zu einem Interview mit einem sunnitischen Politiker verschleppt worden. Ihren Dolmetscher töteten die Kidnapper. Carroll selbst wurde nach eigener Aussage jedoch gut behandelt.

Wie der US-Nachrichtensender CNN am Samstag berichtete, hatte Carrol vor ihrer Freilassung noch ein Video aufgenommen, das nun auf einer islamische Webseite gezeigt wurde. Darin verurteilt sie den "illegalen" Irak-Krieg und forderte US-Präsident George W. Bush auf, ihn zu beenden. Für den Kampf ihrer Entführer äußert sie Verständnis. Zudem bezeichnete sie ihre Entführer als "sehr klug", da es ihnen immer wieder gelinge, den US-Soldaten zu entkommen.

Carroll ist nach eigenen Worten von ihren Entführern zu einem Propaganda-Video gezwungen worden. Wie die Zeitung Carrolls, der "Christian Science Monitor", am Sonntag berichtete, ist die Journalistin in der Nacht vor ihrer Freilassung unter Druck gesetzt worden, verständnisvolle und positive Aussagen über die Geiselnehmer zu machen.

Carroll befand sich am Sonntag auf dem Heimflug in die USA. Die 28-Jährige war nach ihrer Freilassung am Donnerstag zunächst zusammen mit verwundeten US-Soldaten in einer Militärmaschine zum US- Militärflughafen Ramstein in der Pfalz gebracht worden.

In dem auf einer islamischen Web-Site gezeigten Video mit Carroll hatte sich die in dem Film tief verschleierte Amerikanerin gegen die US-Militärpräsenz im Irak ausgesprochen. "In der letzten Nacht meiner Gefangenschaft drängten mich meine Entführer, bei dem Video mitzumachen. Sie sagten, ich würde freigelassen, wenn ich es täte", berichtete die Journalistin nach Angaben ihrer Zeitung. In dem Video hatte sie den "illegalen" Irakkrieg verurteilt und US-Präsident George W. Bush aufgefordert, ihn zu beenden. Für den Kampf ihrer Entführer äußerte sie Verständnis.

Carroll war am 7. Jänner auf dem Weg zu einem Interview mit einem sunnitischen Politiker in Bagdad entführt worden. Ihr Dolmetscher war dabei getötet worden. Es war das erste Mal seit Beginn der Entführungsserie im Irak, dass Kidnapper eine US-Geisel verschont haben.

Von den beiden am 24. Jänner im Irak entführten deutschen Technikern René Bräunlich und Thomas Nitzschke fehlt unterdessen weiter jede Spur. Das letzte Lebenszeichen von ihnen war eine Videobotschaft vom 11. Februar.
(apa/red)

1.4.2006 12:51