Freitag, 31. März 2006

Bebenkatastrophe im Iran: 15.000 Menschen nach den schwren Erdstößen obdachlos

  • 1.200 Personen verletzt. USA haben Hilfe angeboten
  • Seríe schwerer Beben im asiatisch-pazifischen Raum

Die drei schweren Erdbeben im Westen des Iran haben rund 15.000 Familien obdachlos gemacht. Es sei jetzt die dringendste Aufgabe, diesen Familien ein Dach über dem Kopf zu geben, sagte der stellvertretende Außenminister Mohammaed-Baqer Zolqadr. Bei den Beben, die Stärken zwischen 4,7 und 6,0 erreichten, waren Freitag früh 70 Menschen ums Leben gekommen. Im asiatisch-pazifischen Raum ist es unterdessen zu einer weiteren Serie schwerer Erdbeben gekommen. Schäden oder Opfer sind aber nicht zu beklagen.

Der Minister geht davon aus, dass keine weiteren Opfer unter den Trümmern liegen. Mehr als 1200 Menschen erlitten Verletzungen. Nach neuesten amtlichen Angaben waren 330 Orte vor allem in der Provinz Lorestan von den Erdstößen betroffen, viele von ihnen wurden völlig zerstört.

Die meisten Opfer sind den Angaben zufolge in den Dörfern nahe der beiden Provinzstädte Borudscherd und Dorud zu beklagen. Zahlreiche der einfachen Ziegelstein- und Lehmhäuser fielen in sich zusammen. Die Krankenhäuser in Borudscherd, Dorud und in der Provinzhauptstadt Chorramabad seien überfüllt und Verletzte in benachbarte Provinzen gebracht worden. Die Schwerverletzten sollen in der Hauptstadt Teheran behandelt werden.

Tausende warten auf Hilfe
Tausende Obdachlose warten im Iran weiter auf Hilfe. Überlebende der Katastrophe verbrachten die Nacht auf Samstag im Freien in der Hoffnung auf die Ankunft von Hilfsgüter. Menschen zogen mit ihren Habseligkeiten durch die Parks der stark betroffenen Stadt Borudscherd. Dort fürchten viele, wegen drohender Nachbeben in ihre Häuser zurückzukehren.

Frauen saßen in Gruppen zusammen und beklagten den Verlust ihrer Angehörigen. Rund 500 Menschen aus Dörfern in der Umgebung von Borudscherd verlangten vor dem Gouverneurssitz die schnelle Lieferung von Decken, Zelten und Nahrung, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete.

Das Innenministerium teilte mit, tausende Zelte sollten in die betroffene Region gebracht werden. Bei dem Beben seien tausende Tiere in Ställen verschüttet worden. Diese sollten so schnell wie möglich beerdigt werden, um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern.

USA bieten Hilfe an
Die USA wollen dem Iran bei der Bewältigung der Katastrophe helfen. Außen-Staatssekretär Burns setzte sich deshalb direkt mit dem iranischen Botschafter bei der UNO, Jawad Saris, in Verbindung.

US-Präsident Bush hatte zuvor bei seinem Besuch im mexikanischen Badeort Cancun die Hilfe angeboten. Auch wenn es mit der iranischen Regierung "Meinungsverschiedenheiten" gebe, sorge sich sein Land um die leidende iranische Bevölkerung, sagte Bush mit Blick auf den Streit um das iranische Atomprogramm.

Burns habe in seinem Telefonat mit dem UNO-Botschafter der iranischen Bevölkerung das Beileid der US-Regierung ausgesprochen, sagte ein Außenamtssprecher. Zugleich habe er die Lieferung von Decken, Plastikplanen, sowie von provisorischen Behausungen für bis zu 100.000 Menschen angeboten. Diese Hilfsgüter könnten innerhalb von 48 Stunden losgeschickt werden. Saris habe entgegnet, dass er zuerst Kontakt mit seiner Regierung aufnehmen werde, um dann eine offizielle Antwort auf das Angebot zu geben.

Die direkte Kontaktaufnahme ist insofern von besonderer Bedeutung, als die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran seit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979 abgebrochen haben. Dies ist erst das dritte Mal innerhalb von 27 Jahren, dass beide Regierungen direkten Kontakt miteinander hatten.

Russische Hilfe abgelehnt
Der Iran hat russische Hilfe für die Erdbebenopfer abgelehnt. Teheran habe erklärt, weder Rettungskräfte noch Medikamente würden benötigt, sagte ein Sprecher des Notfallministeriumsin Moskau. Russland schicke aber Decken und andere Hilfsgüter, die der Iran gerne angenommen habe.

Seríe schwerer Beben im asiatisch-pazifischen Raum
Ein Beben mit der Stärke 6,4 erschütterte am Samstag den Südosten von Taiwan. Es hatte sein Zentrum in der Nähe der Stadt Binan, die rund 250 Kilometer südöstlich von Taipeh liegt, in rund zehn Kilometern Tiefe. Es war auf der ganzen Insel zu spüren. Die Menschen rannten aus den Gebäuden, Eltern beruhigten ihre Kinder. Ein Nachbeben erreichte die Stärke 4,7.

Ein starkes Unterwassererdbeben der Stärke 6,1 erschütterte Samstag früh Indonesien. Im Norden von Sulawesi brach Panik aus. Indonesien wird wegen seiner Lage am so genannten pazifischen Feuerring immer wieder von Erdbeben heimgesucht.

Auch die zu Neuseeland gehörende Region der Kermadec-Inseln wurden in der Nacht auf Samstag von zwei starken Beben erschüttert. Sie erreichten eine Stärke von 6,5 und 5,2 auf der Moment-Magnitude, wie die Geologische Warte in Wellington mitteilte. Die gut 1.000 Kilometer nordöstlich von Auckland gelegenen Inseln sind aber unbewohnt.

(apa/red)

31.3.2006 07:13