Nicht erschienen: Eklat bei Prozess gegen
Liberias Ex-Diktator Taylor in Den Haag
- Alles Scharade: Auch Verteidiger wurde gefeuert
- Kriegsverbrechen: Konflikt forderte 120.000 Tote

Der Kriegsverbrecherprozess gegen den früheren liberianischen Diktator Charles Taylor hat mit einem Eklat begonnen. Der Angeklagte erschien überraschend nicht zu der Verhandlung vor einem Sondergericht in Den Haag. Zugleich entließ Taylor schriftlich seinen Verteidiger. Obwohl die Vorsitzende Richterin den Anwalt mehrfach sichtlich verärgert aufforderte, zumindest während der Eröffnungsplädoyers zu bleiben, verließ der Jurist nach etwa einer Stunde den Saal.
Zuvor hatte der Anwalt einen längeren Brief verlesen, in dem Taylor von einer Scharade sprach, an der er sich nicht beteiligen wolle. Ein Vertreter der Anklage betonte, es gebe keinen Grund für Taylor, nicht vor Gericht zu erscheinen. Das international besetzte Sondergericht, das normalerweise in Sierra Leones Hauptstadt Freetown tagt, hat den Prozess aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt.
Als erster früherer Staatschef Afrikas muss sich Taylor vor einem internationalen Gericht für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er hatte laut Anklage einen blutigen Konflikt im benachbarten Sierra Leone angezettelt, bei dem zwischen 1991 und 2001 rund 120.000 Menschen ums Leben kamen.
Vor dem Konflikt in Sierra Leone löste Taylor 1989 bereits in seinem eigenen Land einen blutigen Bürgerkrieg aus, der erst 2003 beigelegt wurde. Bei den Kämpfen in Liberia und Sierra Leone kamen insgesamt rund 400.000 Menschen ums Leben. Taylor soll sich unter anderem auch persönlich bereichert und das Geld ins Ausland geschafft haben.
Verfolgt werden aber nur die Taten, die nach einem ersten Friedensabkommen 1996 zwischen der Regierung von Sierra Leone und der von Taylor kontrollierten Rebellenbewegung Revolutionäre Front (RUF) begangen wurden.
Das TSSL hatte bereits 2003 Anklage gegen Taylor erhoben. Doch Nigeria, wohin Taylor 2003 ins Exil gegangen war, lehnte eine Auslieferung zunächst ab. Erst im März 2006 gab Nigerias damaliger Staatschef Olusegun Obasanjo nach. Kurz darauf wurde Taylor auf der Flucht festgenommen und nach Den Haag überstellt.
(apa/red)
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