Freitag, 31. März 2006

Verzetnitschs Nachfolger: Tarnen und Täuschen rund um neuen ÖGB-Präsidenten

  • In wenigen Wochen soll die Entscheidung fallen
  • Kandidaten: Bittner, Hundstorfer, Katzian, Haberzettl

Wer neuer ÖGB-Chef wird, soll man in zwei Wochen wissen, spätestens in drei - das sagt zumindest Interimspräsident Rudolf Hundstorfer. Will man es tatsächlich in dem Zeitrahmen schaffen, wird es wohl einiger schlafloser Nächte bedürfen. Denn wer es wird, ist komplett offen. Nach derzeitigem Stand gibt es vier mögliche Anwärter, die zwei chancenreicheren wollen aber angeblich nicht. Täuschen und Tarnen ist angesagt.

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Ohne die Metaller und die mit ihnen assoziierten Arbeiter-Gewerkschaften wird es nicht gehen, wenn man das zumindest formal höchste Amt im ÖGB als Nachfolger von Präsident Fritz Verzetnitsch erklimmen will. Die Fäden laufen somit bei Metaller-Chef Rudolf Nürnberger zusammen, der zusätzlich noch Vorsitzender der sozialdemokratischen Gewerkschafter ist. Er hat gleich zwei Trümpfe in der Hand: Seine Metaller sind mit der Kür von Zentralsekretär Erich Foglar zum Finanzchef schon versorgt und er selbst hat keinerlei Ambitionen.

Dies macht die Ausgangslage für den Vorsitzenden der zweiten Groß-Gewerkschaft schwierig. Wolfgang Katzian, erst seit einem Jahr GPA-Chef, würde sich zwar wohl nicht verweigern, muss aber mit dem Misstrauen der Arbeitergewerkschaften leben. Sein Atout könnte sein, dass die Metaller schon versorgt sind und es als wenig wahrscheinlich gilt, dass die große Gruppe der Angestellten und öffentlich Bediensteten keinen der drei wichtigen Jobs - ÖGB-Präsident, FSG-Vorsitzender, Finanz-Chef - abbekommt.

Das gleiche Argument gilt auch für Rudolf Hundstorfer, der als Chef der Gemeindebediensteten einer mittelgroßen, stabilen Gewerkschaft vorsteht. Wie kein anderer hat er sich selbst in Position gebracht. Während alle anderen Kandidaten sich in Zurückhaltung bis Skepsis übten, betonte der Interimspräsident den Reiz des Amtes. Als sein Vorteil gilt paradoxerweise, dass er als Wunschkandidat des sanft zum Rücktritt gebrachten Präsidenten Verzetnitsch gilt. Dazu kommt seine starke Hausmacht, die Wiener SPÖ. Als Manko Hundstorfers wird beschrieben, dass er für einen Neubeginn zu wenig reformorientiert und etwas farblos sei.

Das kann man dem eigentlichen Top-Favoriten für das Präsidentenamt nicht vorwerfen. Wilhelm Haberzettl hat es in seiner erst gut sechs Jahre dauernden Amtszeit als Eisenbahner-Chef bereits zum österreichischen Streik-Champion gebracht. Zusätzlich war seine Beschwerde es, die die Reform des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger vor dem VfGH zu Fall brachte und der Regierung damit eine ihrer größten Niederlagen bescherte.

Haberzettl könnte, wenn er wollte, wohl ÖGB-Chef werden. Er selbst lässt aber intern verlauten, dass dies nicht in seine Lebensplanung passe. Vermutet wird, dass er auf die Nachfolge Nürnbergers in der FSG spitzt. Dass Haberzettl aber während der ganzen Turbulenzen dieser Woche beruflich im Ausland weilt und so nicht ständig in der Öffentlichkeit präsent ist, könnte ihm letztlich zum Vorteil gereichen, sollte er doch noch wollen.

Bleibt noch Franz Bittner, Chef der Drucker-Gewerkschaft und Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse. Ihm werden theoretisch neben Haberzettl die besten Chancen eingeräumt. Durch die angekündigte Fusion der Drucker mit der GPA wäre seine Wahl ein Zeichen an die Privatangestellten und trotzdem wäre der Präsident weiter ein Arbeiter-Vertreter, wie dies immer der Fall war. Gegen Bittner spricht, dass er selbst öffentlich fast wortgleich mit Haberzettl abgewunken und sich für gewerkschaftliche Verhältnisse mit öffentlicher Kritik an Verzetnitsch und Arbeiterkammer-Präsiden Herbert Tumpel in Sachen BAWAG recht weit hinaus gelehnt hat. (apa)

31.3.2006 08:00