Donnerstag, 30. März 2006

Dunkelhäutige Besucher abgewiesen? Rassismus-Vorwürfe gegen Wiener Flex!

  • Geschäftsführer Eller: "Das ist ein absurder Vorwurf"
  • Begründung: "Lediglich einzelne Drogendealer!"

Die Betreiber des Wiener Musiklokals Flex am Donaukanal sind mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Besucher seien auf Grund ihrer dunklen Hautfarbe abgewiesen worden, heißt es in Internet-Foren, aber auch in vier Beschwerden, die dem Antirassismus-Verein Zara vorliegen. Flex-Geschäftsführer Thomas Eller sprach auf APA-Anfrage von einem "absurden Vorwurf". Es gehe lediglich um einzelne Drogendealer.

"Dass es Leute mit schwarzer Hautfarbe gibt, die mit Lokalverbot belegt sind, ist kein Geheimnis", sagte er. Man habe im Flex ein Problem mit dunkelhäutigen Drogendealern, die in letzter Zeit das Lokal regelrecht gestürmt hätten - und deren Präsenz sei im Lokal nicht erwünscht. Grundsätzlich handle es sich um ein altbekanntes Problem, so Eller: "Das Flex ist seit zehn Jahren von Drogendealern belagert."

Zuletzt sei es aber durch verstärkte Polizeieinsätze in der Innenstadt, vor allem bei der U-Bahn-Station Schottenring, zu einer Verlagerung des Problems in das Lokal hinein gekommen. Die Häufung der Einsätze könnte laut Eller darauf zurückzuführen sein, dass der Bezirk, wo seit kurzem Ursula Stenzel (V) als Vorsteherin fungiert, diesbezüglich Druck gemacht habe.

Dass Afrikaner oder Türken generell abgewiesen würden, wies Eller zurück: "Das Flex liegt nicht in Johannesburg." Die Vorwürfe auf http://no-racism.net/, die unter anderem auf Postings im Flex-Forum http://www.flex.at/ beruhen, seien "schlicht bescheuert". "Es sind nach wie vor sehr viele Schwarze im Flex", betonte er.

Bei Zara gibt man sich damit nicht zufrieden. "Die Vorwürfe sind uns bekannt", sagte der Leiter der Beratungsstelle, Hikmet Kayahan: "Wir haben bereits einen Beschwerdebrief an das Flex verfasst, aber keine ausreichende Antwort bekommen." Für die Drogenproblematik habe man Verständnis: "Aber die Antwort kann nicht sein, dass man alle Menschen schwarzer Hautfarbe des Drogendealens bezichtigt."

Kayahan ortete beim Flex eine "rassistisch motivierte Türsteherpolitik", denn die vier Beschwerdeführer seien anscheinend allein auf Grund ihrer Hautfarbe abgewiesen worden. Man wolle Flex-Chef Eller nun zu einem klärenden Gespräch einladen und ihn daran erinnern, dass es etwa ein vom Verein "Gast und Wirt" erarbeitetes Modell für menschenrechtskonforme Hausordnungen für Lokale und Discotheken gebe (http://www.hausordnung.org/).

Die Integrationssprecherin der Wiener Grünen, Alev Korun, zeigte sich über die Vorwürfe erstaunt. "Das Flex ist seit Jahren für seine antirassistische Haltung bekannt. Ich hoffe, dass das so bleibt." Bisher kenne sie nur die Postings im Internet. Sie werde sich daher in den kommenden Tagen selbst ein Bild von der Lage machen, meinte die Grüne. (apa)

30.3.2006 09:12