Freitag, 24. März 2006

Regionalfluglinie Styrian Spirit beantragt Insolvenz: Alle Flüge wurden storniert

  • Grazer Stadtwerke AG hatte Engagement abgesagt
  • Alle 152 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet

Die steirische Regionalfluglinie Styrian Spirit hat wegen Zahlungsunfähigkeit den Betrieb eingestellt. Dieser Paukenschlag erfolgte just am dritten Jahrestag des Erstfluges, nachdem am Vortag die Grazer Stadtwerke AG als Eigentümer des Grazer Flughafens als potenzieller Investor eine Beteiligung abgesagt hatten. Die Verbindlichkeiten der Airline liegen bei 44 Mio. Euro, alle 152 Mitarbeiter wurden zur Kündigung angemeldet.

Dass die "Styrian Airways" (Markenname "Styrian Spirit"), die bereits mehrmals Kapitalspitzen gebraucht hat, immer wieder auf Investorensuche war und wiederholt die Strategie gewechselt hatte, frisches Geld benötigte, war schon länger ein offenes Geheimnis. Offiziell sollte eine vom Aufsichtsrat genehmigte Kapitalerhöhung der Anschaffung eines fünften Flugzeugs dienen. Doch angeblich fixe Partner sprangen ab oder wollten - wie im Fall der Grazer Stadtwerke - nach genauer Prüfung einen Einstieg inklusive Übernahme der Schulden nicht riskieren. Übrig blieb nur die Zusage des Airport Salzburg über 1,5 Mio. Euro, was offenbar zu wenig war.

Am Freitag wurde übrigens auch bekannt, dass der Salzburger Airport die Styrian schon vor einiger Zeit wegen ausstehender Zahlungen von rund einer Mio. Euro geklagt hatte. Das Land Kärnten dürfte seine drei Mio. Euro-Beteiligung verlieren, der Flughafen Landegebühren von etwa 240.000 Euro.

In der Nacht auf Freitag wurde verklausuliert verlautbart, dass für 24. März alle Flüge gestrichen seien. Etliche Passagiere wussten davon nicht und saßen Freitag früh u.a. am Grazer Flughafen fest. Nur die auf die Partner-Airlines Swiss, AUA und Air France ausgestellten Tickets wurden umgebucht, die Konkurrenten AUA, SkyEurope und InterSky boten zum Teil ebenfalls an. Nach einer Aufsichtsratssitzung wurde es dann Gewissheit: Die Styrian Spirit ist und bleibt am Boden. Ein Ausgleich sei zwar noch eine Möglichkeit, aber nur eine theoretische, so das Management.

Vorstand Andreas Rösslhuber erklärte vor Journalisten, man werde man Insolvenz beantragen - "dies trotz Vorlage eines tragfähigen Zukunftskonzepts". Vorstand und Aufsichtsrat zeigten sich enttäuscht über angeblich nicht eingehaltene Unterstützungszusagen der Grazer Stadtwerke und der steirischen Landesregierung. Von den Stadtwerken war - mit Unterstützung des Landes - eine Kapitalspritze von der fünf Mio. Euro eingeplant. AR-Chef Reinhard Zechner erklärte, es habe eine Quasi-Zusage durch den steirischen LH Franz Voves (S) gegeben, was dieser umgehend dementierte: "Eine bodenlose Schweinerei." Der Kärntner LH Jörg Haider (B), auf dessen Betreiben das Land Kärnten 2005 beteiligt hatte, die aktuell anstehende Kapitalerhöhung aber nicht mehr mitmachen wollte, war am Freitag auf Auslandsreise und nicht erreichbar.

Vor ziemlich genau zwei Jahren war übrigens die zweite steirische Regionalfluglinie Fairline bruchgelandet. Ihr Betrieb hatte überhaupt nur fünf Monate gedauert.

(apa)

24.3.2006 07:40