Freitag, 24. März 2006

Lambiel kürt sich erneut zum Weltmeister: Zweiter Titel für den "Pirouetten-Künstler"

  • Olympia-Zweiter gewinnt vor dem Franzosen Joubert
  • Eiskunstlauf-WM in Calgary ohne Russen Pluschenko

"Pirouetten-Künstler" Stephane Lambiel ist ein Champion mit Kämpferqualitäten geworden. Der Schweizer Eiskunstläufer hat sich Tennis-Superstar Roger Federer zum Maßstab genommen. "Roger ist ein Vorbild für mich, ich schaue immer, was er macht", erzählte der gelöste 20-Jährige, nachdem er vor 10.000 hingerissenen Zuschauern im Saddledome von Calgary seinen Weltmeister-Titel erfolgreich verteidigt hatte. Zwar fehlte der russische Olympiasieger Jewgenij Pluschenko in Kanada, doch das tat der Spannung des hochklassigen Bewerbs keinen Abbruch.

Der Olympia-Zweite, der als Letzter des Feldes aufs Eis ging, brillierte zu Klängen von Vivaldi. Lambiel wusste, dass der Franzose Brian Joubert (persönliche Bestnote 156,457) vor ihm perfekt gelaufen war. "Ich habe diese Spannung genossen", sagte der nervenstarke Schweizer, der auf dem Eis all sein Können präsentierte und nach der besten Kür des Abends mit 3,39 Punkten Vorsprung den Siegerscheck von 45.000 US-Dollar entgegennahm. Dritter wurde wie im Vorjahr der US-Amerikaner Evan Lysacek, der sich in der Kür von Rang sieben verbesserte.

Lambiel zeigte zwei vierfache Toeloops, einen sogar in Kombination, dazu seine selbst kreierten Pirouetten. Allein der dreifache Axel, den die Preisrichter nur als doppelten anerkannten, weil er nicht rückwärts gelandet war, entfachte Diskussionen. Der Weltmeister war sauer auf die Jury, auch wenn es am Ende darauf gar nicht mehr ankam. Auch die im Vergleich zur Qualifikation geringere Punktezahl überraschte ihn.

Zu groß war die Freude Lambiels, der zehn Tage vor den Titelkämpfen wegen Knieschmerzen erst gar nicht ins Flugzeug steigen wollte. Ein Trainingssturz hatte ihn vor den Winterspielen schon aus dem Rhythmus gebracht, danach war er wieder auf das lädierte Gelenk gefallen und konnte nur mit Schmerztabletten an den Start gehen.

"Ich bin sehr stolz auf mich. Es war ein harter Wettkampf", sagte Lambiel. "Ich wollte für mich selber laufen und einfach das Maximum geben." Joubert hatte sich nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Winterspielen (6.) dazu entschlossen, wieder auf die Filmmusik "Matrix" zurückzugreifen. Mit dieser war er 2004 Europameister und WM-Zweiter geworden. Österreichs Viktor Pfeifer hatte sich als 26. des Kurzprogramms nicht für die Kür qualifiziert.

(apa/red)

24.3.2006 12:12