Donnerstag, 23. März 2006

Feuertaufe für "Hawk-Eye": Videobeweis
beim Tennisturnier in Miami umstritten

  • Nicht alle Profis von Linien-Kamerasystem begeistert
  • Jamea Jackson nutzte als erste Einspruchsmöglichkeit

Wenn das Auge des Schiedsrichters getrübt ist, soll das elektronische "Hawk-Eye" für Klarheit auf dem Tennisplatz sorgen. Der vom englischen Experten für künstliche Intelligenz, Paul Hawkins, entwickelte Videobeweis, "Hawk-Eye" (Falkenauge) genannt, hat beim Tennisturnier in Key Biscayne seine Feuertaufe bestanden.

Zweimal wurde die neue Regel, die in der Tennis-Szene mit Frust und Freude aufgenommen worden ist, von Jamea Jackson am Mittwochabend im Eröffnungseinzel gegen Ashley Harkleroad (beide USA) in Anspruch genommen. Beide Male zeigte sich allerdings, dass die Entscheidung des Referees die Richtige gewesen war.

"Ich wollte die Erste sein, die von dieser Regel Gebrauch macht. Ich wollte Geschichte schreiben", sagte die 19-Jährige, die trotz des erfolglosen Einspruchs die Partie gewann. Zweimal pro Satz haben die Tennisprofis zunächst bei den Testturnieren die Gelegenheit, strittige Entscheidungen anzufechten. Im Tie-Break kommt eine weitere hinzu. Ist der Protest erfolgreich, hat der Spieler weiterhin zwei Einspruchsmöglichkeiten; ist er unberechtigt, bleibt nur noch einer.

Insgesamt acht Kameras tasten die Linien ab und sorgen mit einer Genauigkeit von plus/minus vier Millimetern für Genauigkeit. Insgesamt 100.000 Dollar kostet die Computeranlage die Veranstalter pro Platz. Allerdings sind nur die beiden Hauptplätze verkabelt, was einer der Gründe für die teils heftige Kritik aus dem Kreis der Topspieler ist.

Die Regeln sollten für alle Plätze und für alle Spieler gelten, schimpfte beispielsweise der Russe Marat Safin. Auch Roger Federer ist ein entschiedener Gegner der neuen Technik. US-Altstar Andre Agassi kann dem Videobeweis, der im Herbst im Rahmen der US Open erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier eingesetzt werden soll, hingegen einiges abgewinnen. (apa)

23.3.2006 14:17