Rheinland-Pfalz fest in roter Hand: SPD haushoher Sieger der Landtagswahlen!
- Beck holt sogar Absolute. CDU kommt nur auf 32,8%
- Grünen im Tief: Einzug in Landtag knapp verpasst
Die SPD hat die Landtagswahl im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz haushoch gewonnen und verfügt dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge sogar über eine absolute Mehrheit hoffen. Die SPD kündigte allerdings an, der FDP erneut eine Zusammenarbeit anzubieten. Ob die FDP dieses Angebot wahrnimmt, ist jedoch ungewiss.
Die Sozialdemokraten steigerten sich von 44,7 auf 45,6 Prozent. Die Grünen verpassten nach den 5,2 Prozent von 2002 dieses Mal mit 4,6 Prozent den Wiedereinzug in den Mainzer Landtag.
Beck-Herausforderer Christoph Böhr kam mit seiner CDU nur noch auf 32,8 Prozent - bei der letzten Wahl konnte er noch 35,3% der Stimmen für sich vereinen.
Die in der letzten Legislaturperiode mitregierende FDP baute ihre 7,8 Prozent vom letzten Mal leicht auf 8 Prozent aus.
Kurt Beck ist zum dritten Mal Wahlsieger
Kurt Beck hat es wieder geschafft. Zum dritten Mal und diesmal mit einer lückenlos auf ihn zugeschnittenen Kampagne hat der SPD-Politiker im einstigen Stammland der Union den Sieg bei einer Landtagswahl geholt. Der Erfolg der Sozialdemokraten ist zu großen Teilen im Stil des Regierungschefs begründet.
Nah bei den Leuten sein, bodenständig bleiben, persönlicher Einsatz, wo vom Land Hilfe geleistet werden kann: Das sind Markenzeichen von Becks Politik. Es zeichnet den 57-Jährigen aus, dass er konsequent für zwei Bevölkerungsgruppen eintritt, welche die Kernklientel der Sozialdemokraten bilden. Es sind die sozial Schwachen und die Menschen, die harte Arbeit verrichten müssen.
"Ich glaube, dass die Leute wissen, dass das nicht aufgesetzt ist", erklärt Beck. Das Mitempfinden mit Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten müssten, lasse er sich nicht nehmen, solange er in der Politik sei: "Oder ich höre auf." Und dann erzählt Beck, wie es seinem Vater früher auf der Baustelle erging, als noch bei strenger Kälte "geschafft" wurde.
Beck gehört einer aussterbenden Politikerspezies an. Er ist einer, der noch mit den Händen gearbeitet hat, bevor er endgültig am Schreibtisch Platz nahm. "Ich fürchte, dass sich künftig kaum noch Menschen mit meiner Vita in Führungspositionen vorarbeiten können", sagt der rheinland-pfälzische Regierungschef. Er sei "skeptisch gegenüber Leuten, die schon stromlinienförmig sind, bevor sie Profil entwickeln können".
Im südpfälzischen Steinfeld aufgewachsen, wo Beck noch immer regelmäßig Bürgersprechstunden abhält, lernte der Maurersohn nach der Schule den Beruf des Elektromechanikers. Er arbeitete zunächst im Heeresinstandsetzungswerk Bad Bergzabern, wurde Personalrat, ÖTV-Mitglied und kam über die Gewerkschaftsarbeit in die Politik.
Seit 1972 SPD-Mitglied kam Beck 1979 in den Landtag, wo er sich zunächst als Sozialpolitiker profilierte. Mit der Regierungsübernahme durch die sozialliberale Koalition in Mainz wurde Beck Fraktionschef. Als SPD-Ministerpräsident Rudolf Scharping in die Bundespolitik wechselte, wurde Beck 1994 sein Nachfolger.
Bis heute ist die Pfalz seine politische Basis, die Region, wo er sich sicher fühlt. Hier kennt der SPD-Politiker scheinbar jeden Bürgermeister, jeden Vereinsvorsitzenden, jeden Sparkassendirektor. Außerhalb der Pfalz ist man nie ganz sicher, ob Beck nicht zu fremdeln beginnt. Das ist schon bei Auftritten des Ministerpräsidenten in stockkatholischen und tiefschwarzen Gegenden von Rheinland-Pfalz wie der Eifel spürbar; erst recht aber im chronisch aufgeregten Berlin, auch wenn der Ministerpräsident sich auf dem Parkett der Hauptstadt heute sicherer bewegt, als noch vor wenigen Jahren.
Beck, so verbreiten Mitarbeiter, gehe lieber auf den Dürkheimer Wurstmarkt als auf einen superwichtigen Stehempfang am Potsdamer Platz. Es konnte daher kaum verwundern, dass der rheinland-pfälzische Ministerpräsident im vergangenen Herbst heilfroh war, dass er nicht den Vorsitz der Bundes-SPD übernehmen musste.
Über Becks Privatleben ist nur wenig bekannt. 1968 heiratete er die Friseurin Roswitha Starck, ein Jahr später kam Sohn Stefan zur Welt. Wandern und Rad fahren gibt Beck als Hobbys an. Die Wahrheit dürfte sein, dass er nur selten dazu kommt. Sein Herz aber gehört dem Fußball.(apa)
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