Freitag, 24. März 2006

Aus Mangel an Beweisen: Zum Christentum konvertierter Mann in Afghanistan frei

  • Übergetretenem Rahman hatte Todesstrafe gedroht

Nach eindringlichen Appellen westlicher Staaten ist der vom Islam zum Christentum übergetretene und deshalb von der Todesstrafe bedrohte Afghane Abdur Rahman aus dem Gefängnis entlassen worden. Gründe für die Entscheidung und den Aufenthaltsort des 40-Jährigen nannte Justizminister Sarwar Danish nicht. Die radikal-islamischen Taliban riefen zur Tötung Rahmans auf, der wegen der Abkehr vom Islam in Haft genommen worden war. Deutschland und Italien boten Rahman Asyl an.

"Ich weiß nicht, ob er bei seiner Familie ist, aber ich weiß, dass er entlassen wurde", sagte Danish. Zu den rechtlichen Hintergründen der Entscheidung könne er nichts sagen. In Justizkreisen hieß es, Rahman sei psychiatrisch untersucht worden. Experten hatten erwartet, dass er für unzurechnungsfähig erklärt wird, um eine Anklage abzuwenden. Rahman, der zeitweise in Deutschland lebte, bestritt geistig nicht voll zurechnungsfähig zu sein. Seine Angehörigen äußerten sich anders: "Weil er krank ist, haben sie ihn entlassen", sagte ein Angehöriger, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Das ist gut. Es ist die richtige Entscheidung."

Erste Reaktionen auf die Berichte über eine Freilassung ließen Sorgen vor Unruhen in Afghanistan aufkommen. "Wenn die Regierung ihn nicht hinrichtet, dann werden die Menschen in allen Provinzen demonstrieren", sagte ein junger Mann. "Alle Moslems werden sich gegen die Regierung wenden." Ein Taliban-Kommandant erklärte, die Gruppe habe eine Fatwa erlassen, in der die Tötung Rahmans verlangt werde.

Rahman war vor rund 15 Jahren zum Christentum übergetreten, als er in Pakistan für eine Hilfsorganisation arbeitete, die afghanische Flüchtlinge unterstützte. Das afghanische Rechtssystem stützt sich unter anderem auf das islamische Gesetz der Scharia. Die Regierung von Präsident Hamid Karzai befand sich im Fall Rahman in einem Dilemma: Einerseits wollte sie die Forderungen ihrer westlichen Verbündeten erfüllen, andererseits konnte sie die einflussreichen Moslem-Geistlichen nicht verprellen. Die Konservativen in Afghanistan wollen den Islam in dem Land strenger als bishser auslegen.

(apa/red)

24.3.2006 19:58