Donnerstag, 23. März 2006

"Will Orange Revolution zu Ende führen": Ex- Ministerpräsidentin vor Wahl siehessicher

  • Timoschenko: Russen-Gas-Deal rückgängig machen
  • keine Kooperation mit Ex-Präsident Janukowitsch

Die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko lehnt im Vorfeld der ukrainischen Parlamentswahl eine Kooperation mit dem Lager von Viktor Janukowitsch ab. Das erwartete Comeback des Ex-Premiers würde nämlich "das Ende der wirklichen Reformen bedeuten", sagte Timoschenko.

"Mit Janukowitsch werde ich niemals zusammenarbeiten, weil er das Lager der politischen Rache und der Restauration des autoritären Kutschma-Systems repräsentiert", sagte Timoschenko in einem Gespräch mit dem "Standard".

Gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten" verriet Timoschenko, dass sie wieder Ministerpräsidentin werden will. "Ja. Ich will das Programm verwirklichen, das (Präsident Viktor) Juschtschenko an die Macht gebracht hat. Juschtschenko hat versprochen, dass die Schattenwirtschaft eingeschränkt wird, dass das Lebensniveau steigt." Aber: "Die Macht ist für mich kein Ziel an sich."

Die Sozialistische Partei von Alexander Moros sei für Timoschenko nach der Wahl am Sonntag "der logischste Partner". Aber Timoschenko sei auch "bereit zu einer Koalition mit Juschtschenkos Partei 'Unsere Ukraine', um die wichtigsten Reformziele zur Umwandlung der Ukraine in ein modernes, prosperierendes, demokratisches europäisches Land zu erreichen." Besonders wichtig sei eine Reform des Gerichtswesens und eine Stärkung der Herrschaft des Rechts. "Als Ministerpräsidentin habe ich gedacht, dass es reicht, den Ministern einen anständigen Lohn zu zahlen. Aber das war ein Fehler. Man muss die Schurken durch ehrliche Menschen ersetzen."

Obwohl Präsident Juschtschenko Timoschenko entlassen hat, sieht die frühere Ministerpräsidentin keinen Bruch zwischen den beiden Galionsfiguren der "Orangen Revolution". "Ich schätze Viktor Juschtschenko nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch", betonte Timoschenko gegenüber den österreichischen Tageszeitungen. "Juschtschenko hört stark auf seine Umgebung. Praktisch alle, die ihm einen Rat geben, verfolgen aber nur ihre eigenen Interessen." Ein großer Teil der Ratgeber wolle einen Parlamentssitz. "Ich glaube, dass sie noch mindestens einen fatalen Rat auf Lager haben. Und das ist, eine Koalition mit Janukowitsch. Wenn Juschtschenko diesen Schritt macht, dann ist die Rückkehr der alten Machthaber unumkehrbar."

Umkehren will Timoschenko unterdessen den Gas-Deal den Juschtschenko mit Russland abgeschlossen hat. "Der Deal ist nicht mehr und nicht weniger als ein Verrat nationaler Interessen der Ukraine. Ich werde mein Bestes tun, diesen Deal rückgängig zu machen, der die Interessen von Oligarchen beider Länder widerspiegelt."
(apa)

23.3.2006 11:25