Donnerstag, 23. März 2006

Entführungs-Drama beendet: Drei westliche
Geiseln im Irak unversehrt freigekommen

  • Brite und zwei Kanadier gehören Hilfsgruppe an

Bei einem Einsatz in den frühen Morgenstunden haben britische und US-Soldaten im Irak drei westliche Ausländer aus der Gewalt von Geiselnehmern gerettet. Der Brite Norman Kember und die beiden Kanadier Jim Loney und Harmeet Sooden wurden nach viermonatiger Geiselhaft befreit und in Sicherheit gebracht, wie der britische Außenminister Jack Straw berichtete.

Die drei Mitarbeiter einer christlichen Hilfsorganisation waren im November 2005 gemeinsam mit ihrem Kollegen Tom Fox entführt worden. Fox wurde vor zwei Wochen ermordet aufgefunden. Bei Anschlägen auf die irakischen Sicherheitskräfte in Bagdad starben indes mehr als 30 Menschen, unter ihnen zahlreiche Zivilisten.

Bei dem Einsatz gegen 05.00 Uhr Ortszeit sei "glücklicherweise kein einziger Schuss gefallen", berichtete Straw. Der Armeeeinsatz zur Rettung der drei Entführten sei seit mehreren Wochen in Zusammenarbeit mit den USA, Kanada und irakischen Sicherheitsbehörden vorbereitet worden. Verteidigungsminister John Reid sagte, britische Soldaten hätten bei der Befreiung "die Schlüsselrolle" gespielt. Er sei "stolz" auf die Armee.

Der Gesundheitszustand des 74 Jahre alten befreiten Briten Kember ist nach Regierungsangaben vergleichsweise gut, er befinde sich in der britischen Botschaft in Bagdad. Die beiden 32 und 41 Jahre alten Kanadier müssten im Krankenhaus behandelt werden. Die BBC berichtete aus Bagdad, es habe keinen Deal mit den Entführern gegeben.

Straw und der britische Premierminister Tony Blair zeigten sich erleichtert über die geglückte Geiselbefreiung. Die Sorge um das Leben der Entführten war erheblich gestiegen, nachdem die vierte Geisel Tom Fox am 11. März in Bagdad ermordet aufgefunden worden war. Der britische Moslem-Rat äußerte sich zufrieden. Der Rat hatte im vergangenen Jahr einen Unterhändler in den Irak geschickt, um ein Ende der Geiselnahme zu erreichen.

Die drei Befreiten waren ebenso wie der ermordete US-Bürger Fox für die kirchliche Gruppe Christian Peacemaker Teams (CPT) in den Irak gegangen. CPT-Sprecher Doug Pritchard sagte in Toronto, die Geiselnehmer seien nicht bei den Entführten gewesen, als der Einsatz der Soldaten begann. Die Gruppe zeigte sich erleichtert über die Befreiung, erinnerte aber zugleich an den Tod von Fox. Sie forderte die ausländischen Soldaten zum "Ende der illegalen Besatzung des Irak" auf. Diese sei die "Hauptursache für die Unsicherheit".

Auch Kembers Frau Pat reagierte mit großer Erleichterung auf die Befreiung ihres Mannes und der beiden übrigen Geiseln: "Das sind sehr gute Nachrichten. Aber ich warte jetzt noch auf Einzelheiten", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters.

Das letzte Lebenszeichen der drei Entführten hatte es am 7. März gegeben. Damals strahlte der Sender Al Jazeera ein Videoband aus, das die beiden Briten und den Kanadier zeigte. Fox war darauf nicht zu sehen, seine Leiche wurde wenige Tage später gefunden. Eine Gruppe namens "Brigaden des Schwerts der Gerechtigkeit" hatte sich zu der Entführung bekannt und mit der Ermordung der Geiseln gedroht, falls nicht alle inhaftierten Iraker freigelassen würden. (apa/red)

23.3.2006 10:24