Sonntag, 26. März 2006

Autor verteidigt Begräbnisteilnahme: Peter Handke wollte Zeuge sein an Milosevics Grab

  • Haager Tribunal ließ "ihn erwiesenermaßen sterben"
  • BILDER von der Beisetzung des Ex-Präsidenten

Peter Handke hat seine Teilnahme an der Beerdigung des früheren jugoslawischen Machthabers Slobodan Milosevic gegen Kritik verteidigt. Er habe am 18. März an dem Begräbnis teilgenommen und eine kurze Rede gehalten, weil er "Zeuge sein" wollte "weder im Sinn der Anklage noch im Sinn der Verteidigung" und ein Gegengewicht zur herrschenden Meinung und Sprache habe erzeugen wollen, so der österreichische Schriftsteller.

Er habe auf die Nachricht vom Tod Milosevics nicht mit Genugtuung, sondern mit Kummer reagiert, erläutert Handke weiter. Er wirft dem Tribunal außerdem unterlassene Hilfeleistung vor, weil es Milosevic im Gefängnis "erwiesenermaßen" habe sterben lassen.

In dem "Focus"-Beitrag verteidigt der Schriftsteller Milosevic gegen die Bezeichnung, dieser sei ein "Diktator" und ein "Schlächter" gewesen und habe den Krieg auf dem Balkan angezettelt. Die Reaktionen der "durchweg feindlichen (...) Westmedien" sowie die Sprache der Ankläger im Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal hätten ihn "gedrängt, eine, nein, die andere Sprache vernehmen zu lassen, nicht etwa aus Loyalität zu Slobodan Milosevic, sondern aus Loyalität eben zu jener anderen, der nicht journalistischen, der nicht herrschenden Sprache".

Der 63-jährige Handke hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für Milosevic eingesetzt und ihn 2004 im Gefängnis in den Niederlanden besucht. 1996 hatte Handke mit der Veröffentlichung seines Textes "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" einen Skandal provoziert. Darin bezeichnete er die Serben als die wahren Opfer des Bürgerkrieges. (apa/red)

26.3.2006 19:02