Mehr Geld für Opfer der Kaprun-Tragödie: Entschädigungsfonds um 10 Millionen erhöht
- Angehörige bekommen insgesamt 16 Millionen Euro
- US-Anwalt Fagan will Republik Österreich verklagen
·Kaprun-Katastrophe: Schuldige gesucht!
Jetzt soll deutsche Staats- anwaltschaft weiterhelfen
Opfer und Angehörige der Seilbahntragödie von Kaprun bekommen um insgesamt zehn Millionen Euro mehr Entschädigung. Das teilte Klaus Liebscher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Vorsitzender der Kaprun-Vermittlungskommission, nach einer Tagung des Gremiums mit. Demnach stehen derzeit - als "Staus Quo" - wie Liebscher betonte, 16 Millionen für die Entschädigung zur Verfügung.
Eine Einigung sei noch nicht erfolgt, so der Kommissionsvorsitzende. Vier Millionen Euro kommen aus noch auszuzahlenden Versicherungssummen, zwei Millionen Versicherungsgelder wurden bereits den Opfern bzw. deren Angehörigen übermittelt. Die zehn Millionen stammen aus "in weitestem Sinn öffentlichen Geldern", sie seien aber "keine Steuergelder", betonte Liebscher.
Bei dem Unglück im November 2000 sind 155 Menschen ums Leben gekommen. Sechzehn Verdächtige sind im Jahr 2004 in Zusammenhang mit der Katastrophe - mittlerweile rechtskräftig - vom Vorwurf der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuersbrunst bzw. der fahrlässigen Gemeingefährdung freigesprochen worden.
Klaus Liebscher rechnet damit, dass die Vermittlungskommission zumindest noch mehrere Monate benötigen wird, bis es zu einer endgültigen Einigung kommt. Er betonte zudem, dass die genannten 16 Millionen Euro noch kein endgültiger Betrag seien. Für eine letztendlich verbindliche Gesamtsumme, die zur Verfügung stehen wird, ist aber "die Schaffung eines Rechtsfriedens unbedingte Voraussetzung", betonte der Kommissions-Vorsitzende.
"Wir sind durchaus zuversichtlich, eine für alle akzeptable außergerichtliche Lösung zu finden", sagte Liebscher. Das gelte auch für allfällig später auftauchende Unterhaltsansprüche. Der Gouverneur der Nationalbank erklärte, dass der Rechtsfriede auch international - etwa in den USA, von wo acht der Opfer kamen und wo wesentlich höhere Entschädigungssummen bezahlt werden - Bestand haben müsse.
In einer Arbeitsgruppe wurde nun ein Verteilungsmodell erarbeitet, nach dem die Opfer bzw. deren Angehörige entschädigt werden sollen. In einer Matrix werden einerseits die Anspruchsteller nach Verwandtschaftsgrad, auf der anderen Seite die Angebotsarten - also beispielsweise, ob es sich um eine Schmerzensgeldzahlung oder um einen Unterhaltsanspruch handelt - eingeteilt. Nach dieser Einteilung erhält jedes Opfer eine Punktezahl, die letztendlich über die Höhe der Entschädigung entscheidet.
Liebscher: "Um es noch einmal klarzustellen, das ist heute kein Abschluss. Einige Anwälte kennen das Verteilungsmodell, weil sie daran mitgearbeitet haben. Andere haben es heute erhalten." Diese habe man gebeten, in den nächsten Wochen dazu Stellung zu beziehen. "Unser Ziel ist es, eine vernünftige finanzielle Regelung zu finden. Wir können das menschliche Leid, das die Opfer erlitten haben, natürlich nicht entschädigen", sagte der Kommissionsvorsitzende.
An der Sitzung nahm auch US-Anwalt Ed Fagan teil, so Liebscher. "Mein Eindruck war, dass er konstruktiv mitgearbeitet hat, es war ein sachlich ausgesprochen gutes Klima." Beträge seien außer den von der Kommission genannten nicht auf das Tapet gekommen. "Es kam von Fagan keine Ablehnung, aber auch, das sage ich ganz klar, keine Zustimmung", betonte der Nationalbank-Gouverneur. Hintergrund: Gerüchten zufolge soll Fagan weit höhere Summen - angeblich bis zu 120 Millionen Euro gefordert - haben.
Fagan will Republik klagen
Der umtriebige US-Anwalt Ed Fagan, der bei der Tagung der Kaprun-Vermittlungskommission dabei war, kündigte im Anschluss daran an, die Republik Österreich in New York zu klagen. Primär gehe es darum, die Verantwortlichen der Kaprun-Katastrophe zu ermitteln, um mehr Geld und eine Entschuldigung, wie Fagan erklärte.
Man dürfe nicht vergessen, dass es bei dem Unglück 155 Tote und zwölf Überlebende gegeben habe. Was bei der Tagung herausgekommen wäre, sei nur ein Angebot, unterstrich der US-Anwalt. Die in den Raum gestellte Summe zeige nur, dass das österreichische Rechtssystem zu wenig Wert auf das Leben lege. Andere Regierungen wie die Schweiz oder Italien hätten bei Katastrophen viel mehr bezahlt, so Fagan. Die Antwort darauf sei nun seine Klage in den USA.
(apa/red)
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